Oh Schreck - Ein Fleck: Kleisterflecken beim Tapezieren vermeiden und beseitigen

Auf hochwertigen, sensiblen Tapetenoberflächen wie sie verschiedene Tapetenarten besitzen, erweisen sich Kleisterflecken keineswegs als harmlos, denn sie können einerseits die Oberfläche angreifen und sind andererseits im eingetrockneten Zustand nur schwer bis überhaupt nicht mehr zu entfernen. Schon beim Einkleistern und Anbringen der Tapete ist daher Behutsamkeit und Aufmerksamkeit gefragt, um Kleisterflecken vorzubeugen oder sie noch vor dem An- und Eintrocknen vorsichtig zu entfernen.

Im neuen Ratgeber-Blog zeigen wir anhand der verschiedenen Tapetenarten auf, wie sich Kleisterflecken auf der Oberfläche auswirken können. Wir erklären warum schnelles und frühzeitiges Handeln zur Entfernung gefragt ist und wie Sie auch bei eingetrockneten Kleisterflecken je nach Tapetenart noch etwas tun können, damit die optische Beeinträchtigung sich beheben lässt.

Warum so große Aufmerksamkeit auf Kleisterflecken legen?
Aus unserer täglichen Praxis können wir berichten, dass Kleisterflecken die häufigste Ursache sind, einem die Freude an der neuen Tapetenwand zu verderben. Dabei gehen Selbst-Tapezierer oftmals mit viel Bedacht vor, denn sie kennen den Wert der frisch erworbenen Tapete. Hauptproblem sind hier einmal ausnahmsweise die professionellen Tapezierer. Die haben so viel Routine beim Tapeziervorgang, dass kleine Unterschiede beim Material der Tapetenoberfläche den Erfolg oder das totale Fiasko bedeuten können. Fragen Sie den Profi vor Auftragserteilung also, ob er denn schon einmal eine Textiltapete oder eine Glasperlentapete verklebt hat. Sie glauben nicht was wir schon an Kundenfotos gesehen haben, wo der Profi-Tapezierer allein mit Kleisterflecken Tapetenwände für mehrere hundert Euro schlicht ruiniert hat.

Was ist das Problem an Tapetenkleister?
Alle gängigen Druckfarben im Tapetenbereich sind zumindest einmal wasserfest. Das heißt Sie können leichte Verschmutzungen sehr vorsichtig feucht abtupfen. Nun könnte man meinen, weil der pulverförmige Tapetenkleister mit Wasser angemischt wird, ist die Tapetenvorderseite automatisch auch gegen den Tapetenkleister resistent. Doch das Gegenteil ist der Fall: unbeschichtete Tapeten (also alles außer Vinyl) vertragen überhaupt keinen Kleister auf der Vorderseite. Die Inhaltsstoffe des Kleisters weichen die Druckfarben an, wenn man dann zu spät den Kleister entfernen will, kommt die Tapetenfarbe gleich mit.

Tapetenarten/Oberflächen und die Auswirkungen von Kleisterflecken
In unserem Online-Shop für exklusive Design- und Mustertapeten finden Sie Tapeten aus hochwertigen Materialien und mit besonderer sowie sensibler Oberfläche. Welche Auswirkungen Kleisterspuren auf der Vorderseite beim jeweiligen Material haben können, erläutern wir in der folgenden Übersicht:

Natur Tapeten
Die Oberfläche von Naturtapeten ist mit einer dünnen Auflage aus echten Naturmaterialien versehen. Dazu gehören Kork, Bambus, Gras oder Mica-Steinchen. Diese Tapeten sind in der Regel wasserbeständig, aber nicht wasch- oder scheuerbeständig, was ihre Oberfläche gegen Feuchtigkeit empfindlich macht. Je nach Material kann auch ein Aufquellen der sensiblen Naturmaterialien durch Kleisterspuren erfolgen. In den feinen Strukturen setzt sich der klebrige Kleister zudem ab und ist dadurch noch schwerer zu entfernen. Insbesondere Mica-Steinchen, welche aus einem vulkanischem Gestein gewonnen werden, saugen Kleister auf wie ein Schwamm (vergleichbar mit einem Pflanzgranulat).

Metall Tapeten
Gewalzte dünne Metallfolien auf einer Trägerschicht aufgebracht, kennzeichnen die dekorativen Metall Tapeten, die mit Effektlasuren behandelt sein können oder durch Oxidations- und Ätzverfahren besondere Strukturen und Lichteffekte zaubern. Kleister auf der Oberfläche kann zu optischen Veränderungen durch Reaktion führen und sollte daher vermieden werden. Zudem ist beim Entfernen von Kleisterflecken gerade bei lasierten Folien die Gefahr gegeben, dass die Lasur „verschmiert“.

Flock Tapeten
Die plastischen mehrdimensionalen Flocktapeten mit interessanter Hoch-Tief-Struktur verleihen dem Raum Tiefe. Kurze Viskosefasern, die auf eine Trägerschicht kaschiert sind, sorgen für die haptische Plastizität und die samtig weiche Oberfläche. Kleisterspuren auf der Beflockung bewirken eine Verklebung der feinen Fasern, was die Entfernung kaum möglich macht, da sich der Kleister in die feinen Strukturen absetzt. Diese „Verklebung“ zeigt sich dann auch mit optischen Fehlstellen.

Textil Tapeten
Natürliche oder synthetische Fasern als Gewebe oder Kettfäden sind bei Textiltapeten auf eine Trägerschicht aus Papier oder Vlies aufgebracht. Leinentapete, Basttapete, Seidentapete oder Baumwolltapeten sind Beispiele für die behaglichen und naturnahen Tapeten, die den Raum mit Wärme und Wohligkeit füllen. Ähnlich wie bei den Flock Tapeten sind die feinen Gewebefasern hochempfindlich gegen Kleister, da auch hier die Verklebung der Fasern zu optischen Beeinträchtigungen führt.

Glasperlen Tapeten
Luxus pur in allen schillernden Farb- und Lichtreflexen versprechen Glasperlen Tapeten. Unzählige kleine Glasperlen werden auf der Oberfläche aufgebracht und formen so Muster und Motive und schaffen schillernde Plastizität. Dass Kleister auf dieser Oberfläche ein absolutes NoGo ist, versteht sich von selbst, denn unter den hochempfindlichen Tapetenmaterialien stehen Glasperlen mit an vorderster Stelle. Allein schon das Aufsaugen des Kleisters mit einem trockenen Tuch kann zur Ablösung von Perlen führen.

Crush Tapeten
Die berühmte Knitteroptik und Faltenstruktur macht Crush Tapeten so beliebt. Die Variationen von Crushtapeten sind hinsichtlich Materialien und Reinigungseigenschaften vielseitig. Waschbeständige Crush Tapeten erleichtern das Entfernen von frischen und angetrockneten Kleisterflecken, wobei ein zu starkes Reiben unbedingt vermieden werden sollte.

Leder Tapeten
Leder Tapeten in unserem Sortiment gehören zu den Vinyltapeten. Ihre Oberfläche besteht aus einem dünnen und täuschend echten Lederimitat in vielen Ausführungen. Der Vorteil dieser hochwertigen Vinyltapeten liegt in der Abwaschbarkeit, die sich mit den Eigenschaften waschbeständig und hoch waschbeständig auch in Sachen Kleisterentfernung von ihrer positiven Seite zeigt. Dennoch sollte auch hier eine zügige Beseitigung der frischen Kleisterflecken erfolgen.

Effektfolien Tapeten
Hauchdünne Spezialfolien mit einer hohen Reflexionsdichte und einem brillanten Farbenspektrum ermöglichen faszinierende 3D- und Regenbogeneffekte an der Wand. Wie bei Metall Tapeten und Glasperlen Tapeten sind auch bei den Effektfolien Tapeten Kleisterflecken eine Dilemma, denn die empfindliche Oberfläche wird dadurch angegriffen. Ein Entfernen kann zu Beschädigungen an der Folie führen und somit den Effekt an dieser Stelle aufheben.

Tapezieren-Kleister-Fleck

Kleisterflecken vermeiden - So geht’s
Vorbeugen ist besser als Heilen, sagt ein kluges Sprichwort. Und das trifft auch auf Kleisterflecken auf der Tapete zu. Diese können sowohl bei Tapeten, deren Papier-Rücken eingekleistert wird, als auch bei Vliestapeten, bei denen die Wand eingekleistert wird, gleichermaßen entstehen. Schuld ist meist ein Zuviel an Kleister und/oder eine mitunter unsaubere Arbeitsweise.

Tapetenrücken einkleistern: Dies betrifft alle Tapeten mit Papier-Rückseite. Tragen Sie den Kleister mit der Bürste gleichmäßig auf. Besonders an den Seiten, die später die Nahtstellen bilden, ist weniger zunächst mehr. Hier können Sie später auch an der Wand noch vorsichtig mit einem dünnen Pinsel nacharbeiten. Verwenden Sie beim Einkleistern auf dem Tapeziertisch für die Nahtseiten am besten einen schmalen Pinsel, anstatt der Kleisterbürste, so verringert sich die Gefahr, dass Kleister unter die Tapete und somit auf die Vorderseite gerät. Bevor Sie die Tapete zum Einweichen zusammenlegen, beseitigen Sie etwaige Kleisterspuren auf dem Tisch, oberhalb, unterhalb und an den Seiten der Tapetenbahn. Denn beim Zusammenlegen kann die Tapete immer etwas verrutschen und die Vorderseite kommt dann mit dem Kleister auf dem Tisch in Berührung.

Achten Sie beim Zusammenlegen darauf, dass sich die Stöße nicht überlappen. Beim Auffalten bzw. Aufklappen der eingeweichten Tapetenbahn sollten Sie zu zweit arbeiten.

Wand einkleistern: Bei Vliestapeten wird die Wand eingekleistert, auch hier gilt: Der Kleisterauftrag darf nicht zu dick sein. Kleistern Sie etwa ein Drittel über die erste Bahnbreite hinaus, damit Sie beim weiteren Einkleistern nicht mit der bereits angebrachten Tapetenbahn in Berührung kommen. Eventuell angetrockneter Kleister im Nahtbereich lässt sich später wieder gezielt mit einem schmalen Pinsel nacharbeiten. Da jede neue Tapetenbahn an der Wand meist an die Naht der vorherigen Bahn „geschoben“ wird, schiebt sich ein Teil des Kleisters mit auf diese Stelle zu. Spätestens beim Zusammenstoßen der Bahnen tritt der überschüssige Kleister auf der Vorderseite aus. Bei den meisten bedruckten Tapeten kann man die Situation noch mit einem schnellen Entfernen des Kleisters retten. Bei einer Textiltapete wäre an dieser Stelle bereits keine Rettung mehr möglich, denn die Fasern saugen sich sofort mit dem Kleister voll und lassen sich nicht mehr reinigen. Nur eine absolut sorgfältige Arbeitsweise kann dieses Problem vermeiden.

Handschuhe bei empfindlichen Tapetenobermaterialien tragen
Kleister kann sich beim Tapezieren rein theoretisch überall finden, selbst an den unmöglichsten Stellen, hier geht mal ein Klecks daneben, da fällt ein Tropfen herab. Auch an den Händen macht sich Kleister gerne breit. Im Eifer des Gefechts nimmt man ihn beim Anbringen der Tapete gar nicht so bewusst war. Schon das Anfassen der Tapete kann dann ein Fauxpas sein, wenn sensible Oberflächen mit einer klebrigen Hand berührt werden. Dünne Baumwollhandschuhe bewähren sich generell, um empfindliche Tapete sauber und fettfrei anzubringen. Selbst wenn diese mal einen Kleisterfleck abbekommen, so saugen sie direkt auf, bei Gummi- oder Folienhandschuhen bleibt die klebrige Feuchtigkeit an der Oberfläche.

Noch mehr Aufmerksamkeit bei Spezialkleister und Dispersionsklebern
Schwere Tapeten wie Vinyl- oder Prägetapeten erfordern die Anwendung von Spezialkleister, dem zur besseren Haftung Kunstharze und andere chemische Bestandteile beigemischt sein können. Die enthalten Substanzen erweisen sich in der Entfernung hartnäckig und können bei Kontakt die Oberfläche beeinträchtigen.

Bei Dispersionsklebern, die normalem Kleister zugemischt werden oder auch pur zum Einsatz kommen, ist noch mehr Obacht gefragt. Denn diese Flecken sind im feuchten wie im trockenen Zustand kaum oder nicht beschädigungsfrei zu entfernen.

Grundsätzlich: Kleisterflecken direkt und im feuchten Zustand entfernen
Für alle handelsüblichen Kleisterarten gilt: Kleisterspuren und Kleisterflecken direkt und im feuchten frischen Zustand entfernen. Dabei ist folgendermaßen vorzugehen:

  • Überschüssigen Kleister mit einem Küchenkrepp oder einem saugfähigen fusselfreien Tuch aufnehmen, abtupfen, nicht reiben.
  • Anschließend die Stelle mit klarem Wasser (feuchtes frisches Tuch oder leicht getränkter kleiner Schwamm) befeuchten und anschließend vorsichtig die letzten Reste aufsaugen, abtupfen.

Zum Entfernen von frischen wie auch eingetrockneten Kleisterflecken ist ausschließlich klares Wasser ohne jeglichen Zusatz zu verwenden. Niemals dürfen brisante chemische Mittel wie Terpentin oder Reinigungsbenzin auf die Tapetenoberfläche aufgebracht werden.

Frische Kleisterflecken werden auch gerne mal übersehen, weil die Beleuchtung im Raum unzureichend ist. Achten Sie daher auf eine gute und helle Ausleuchtung, eine einfache Glühbirne in der Fassung erfüllt diesen Zweck nicht. Bei Tageslicht und Sonnenschein lassen sich frische Kleisterflecken sehr gut erkennen.

Angetrocknete oder eingetrocknete Kleisterflecken entfernen
Glänzende oder milchig matte Stellen auf der Tapete rühren meist von an- oder eingetrocknetem Kleister her. Die Entfernung ist je nach Ausgangsmaterial (siehe Materialarten) noch möglich, sollte aber mit Geduld und Fingerspitzengefühl erfolgen.

Zunächst wird der Kleisterfleck wieder befeuchtet, dazu verwenden Sie bitte lauwarmes Wasser ohne jeglichen Zusatz. Im Anschluss nehmen Sie ein trockenes sauberes Tuch oder ein Küchenkrepp zur Hand und tupfen die Feuchtigkeit auf - Nicht reiben, rubbeln oder kratzen, sondern den Vorgang bei Bedarf nach einer gewissen Zeit noch einmal wiederholen.

Hinweis: Bei einigen Dispersionsklebern ist die Entfernung von eingetrockneten Flecken in der Regel nicht beschädigungsfrei möglich. In gar keinem Fall mit Lösungsmitteln an die Tapete gehen. Hier ist schon bei der Anbringung höchste Aufmerksamkeit geboten.

 
 

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