Tapezieren auf Rauputz: Lösungen, wie Sie glatte Ergebnisse erzielen

Die ideale Voraussetzung für das Anbringen beliebiger Tapeten ist ebenmäßiger Glattputz, doch dieser findet sich nun mal nicht immer an den Wänden im Haus oder in der Wohnung. Stattdessen steht man vor Rauputz, der in seinen Ausführungen und Körnungen sehr unterschiedlich und für die Mehrzahl von Tapetenarten als tapezierfähiger Untergrund ungeeignet ist. Die Gründe dafür liegen auf der Hand und diese wollen wir in diesem Blog näher erläutern.

Ob Tapezieren ohne weiteres auf Rauputz möglich ist, hängt von der Struktur und auch der Tapetenart ab. Doch auf ein glattes, attraktives Tapetenergebnis müssen Sie auch bei Wänden mit Rauputz nicht verzichten, denn es gibt Lösungen. Die erfordern zwar etwas Arbeitsaufwand und Materialinvestition, können dafür aber Ihren Wunsch von der besonderen Muster- oder Designtapete erfüllen.

Glattputz und Rauputz
Putz kennzeichnet einerseits den Baustoff und andererseits den Wandbelag, der je nach Putzart und Technik glatt oder strukturiert und körnig ausfallen kann. Der glatte Unterputz, bevorzugt aus Gips, Zement oder Kunstharz, bildet die Ausgangsbasis für eine Vielzahl von Wandgestaltungen, z.B. mit Farbe, Tapeten, Verkleidungen. Daneben finden sich vorwiegend dekorative Putze aus unterschiedlichen Grundmaterialien und mit einer stärker oder schwächer ausgebildeten Körnung, die nach dem Auftragen in der Regel nicht mehr oder nur mit Farbe weiterbehandelt werden. Hier spricht man auch von Edelputz oder Oberputz, während der glatte Putz häufig den Unterputz darstellt. Reibe- und Strukturputz sind Ausführungen von Rauputz, die sich in vielen Unterarten und Erscheinungsbildern zeigen.

Putzmörtel finden sich zum Anmischen oder fertig angerührt im Handel als mineralische Putze (Gips, Kalk, Zement, Lehm, Tonerde) und Kunstharzputz in unterschiedlichen Körnungen. Der Unterschied zwischen mineralischen Putzen und Kunstharzputzen liegt in erster Linie in der Wasserdurchlässigkeit. Kunsthartputze sind im Gegensatz zu mineralischen Putzen nicht diffusionsoffen, dafür aber robust und hochelastisch. Unabhängig davon können alle Putzmörtel durch die individuelle Zusammensetzung sowie die Putztechnik nach dem Auftragen eine strukturierte raue oder glatte Oberfläche aufweisen.

Warum rauer Putz nicht als Untergrund für Tapeten geeignet ist
Wie wir wissen, braucht es für die ordnungsgemäße, beschädigungsfreie und optisch attraktiv wirkende Anbringung von Tapeten einen glatten, sauberen, trag- und haftfähigen Untergrund. Dieser ist bei Rauputz oder Strukturputz nicht oder nur bedingt gegeben. Das bedeutet, dass Tapeten zum einen nur schwer anzubringen sind und zweitens beim Ankleben schon durch die raue Struktur beschädigt werden können. Das war es dann mit der hochwertigen edlen Tapete, noch bevor der Kleister trocken ist.

Selbst, wenn das Anbringen ohne Beschädigungen vonstattengehen sollte, so drückt sich die Struktur des Rauputzes oder die Körnung durch die Tapete, was optisch keinen gelungen Eindruck macht und die Tapete wird anfälliger für Risse und Löcher. Im Allgemeinen gilt daher: Auf Rauputz tapezieren macht keinen Sinn, der Untergrund muss geglättet werden.

Eine Ausnahme bestätigt diese Regel: Handelt es sich um einen sehr feinkörnigen Reibeputz ohne rustikale Strukturen und eine merklich dickere PVC- oder Vinyltapete wird angebracht, so findet sich womöglich eine annehmbare Lösung. Auf diese können wir aber an dieser Stelle keine hundertprozentige Garantie geben, denn jede Wand ist anders. Voraussetzung ist zudem, dass der Untergrund bis auf die leicht raue Struktur oder Körnung völlig intakt, geeignet und ggf. vorbehandelt ist. Die Lösung lautet in diesem Fall: Behandeln Sie den Putz mit Streichmakulatur vor, denn diese verschließt die Poren, glättet und sorgt für eine haftfähige Basis für Vinyltapeten. Streichmakulatur ist als Untergrundbehandlung ausschließlich für Vinyltapeten geeignet.

So gelingt Tapezieren an Wänden, die mit Rauputz versehen sind
Kommen wir zum praktischen Teil: Wie gehen Sie vor, wenn Sie sich einem rustikalen Wandputz gegenübersehen und sich eine neue Designertapete mit Ihrem Traummuster an den Wänden wünschen? Hier finden sich zwei probate Lösungsansätze:

1. Neue Glattputzschicht auftragen
2. Verkleidung mit Gipskarton (Verkleben oder auf Lattenunterkonstruktion schrauben)

Sie ahnen schon, dass es auch bei diesen Lösungen einiges zu beachten gibt, damit Sie mit dem Ergebnis rundum zufrieden sein können. Das stimmt, denn wie bei jedem Untergrund ist der erste Schritt das Überprüfen von verschiedenen Punkten, die Auskunft über weitere Behandlungsansätze geben. Beim rauen Putz sind also zunächst folgende Fragen zu beantworten:

a) Um welches Ausgangsmaterial handelt es sich? Kalkputz, Kalkzementputz, Lehmputz, Kunstharzputz, andere Materialien?
b) Ist der Rauputz noch fest oder weist er schadhafte Stellen durch Feuchtigkeit oder Schimmel auf? Sandet er stark?
c) Ist der Strukturputz farblich behandelt und wenn ja, handelt es sich um offenporige oder versiegelte Farben? Latexfarben gehören zu den versiegelnden Farben. Blättert die Farbe ab oder färbt sie ab?

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Zu a) Um das Ausgangsmaterial des Putzes festzustellen, genügt leider der Laienblick nicht. Es sei denn, Sie haben die Wände selbst verputzt. Denn dann wissen Sie, welcher Putzmörtel verwendet wurde. Daher sollten Sie bei Unsicherheiten einen Experten zu Rate zu ziehen, z.B. einen Maurer, Verputzer oder Maler. Der darf für seine Expertise ruhig auch ein Entgelt verlangen, schließlich wollen Sie ein perfektes Ergebnis. Gleichzeitig gilt es abzuklären, welcher Glattputz bei den Nassauftragetechniken mit der Kelle zum Einsatz kommen kann. Zu prüfen wäre zudem, ob der alte Putz auch hier entsprechend seiner Saugfähigkeit oder anderen Problemen vorbehandelt werden muss, damit der neue Putz darauf haftet. Gleiches gilt für das direkte Aufkleben von Gipskartonplatten auf den rauen Putz. Entscheiden Sie sich für die Verkleidung mit Gipskartonplatten auf einer Lattenkonstruktion, so fällt diese Frage weg.

Zu b) Machen Sie die Klopf- und Andrückprobe, um festzustellen, ob der alte Rauputz noch stabil ist. Klopfen Sie den Putz mit der Hand ab und drücken Sie an exponierten Stellen mit dem Fingernagel oder einem spitzen Gegenstand in den Putz. Lösen sich Putzteile schon beim Klopfen oder bleibt ein Abdruck zurück, so ist die Stabilität nicht mehr ausreichend gegeben, wenn Sie einen neuen Glattputz auftragen möchten. Der alte beschädigte Putz muss zuerst entfernt werden.

Feuchte Bereiche, Stockflecken und Schimmelspuren sind immer genauer unter die Lupe zu nehmen. Vor jedem Neuverputzen oder dem Verkleiden mit Gipskarton ist die Ursache dafür definitiv zu beheben. Zudem muss der Bereich komplett getrocknet (ggf. desinfiziert) sein, bevor eine neuer Putz oder Gipskarton angebracht wird.

Wenn Sie mit der Hand über den Putz fahren und er sandet stark, braucht es eine Untergrundbehandlung, damit ein neuer Nassputz darauf haften kann. Bei Gipskartonverkleidungen, die nicht verklebt werden, können Sie diesen Punkt vernachlässigen.

Zu c) Ältere Farbschichten können ebenfalls problematisch werden, wenn ein neuer glatter Putz aufgetragen werden soll. Es kann zur Abfärbung auf den neuen Putz kommen, was sich auch auf die Tapete übertragen kann, sobald die neu verputzte Wand durch Kleister wieder feucht wird. Prüfen sie die Farbschicht daher auf Abfärben (mit einem feuchten Tuch darüber reiben) und Festigkeit. Bringen Sie einige Streifen starkes Klebeband an verschiedenen Stellen an und ziehen Sie diese ruckartig ab. Bleibt Farbe daran hängen oder blättert die Farbe ab, ist der Anstrich nicht tragfähig und muss entsprechend behandelt oder entfernt werden.

Glattputz auftragen - Am besten vom Fachmann durchführen lassen
Wenn Sie nicht zu den begeisterten Heimwerken gehören, die sich durch jahrelange Erfahrung oder berufliches Hintergrundwissen mit dem Verputzen auskennen, dann sollten Sie den neuen glatten Putzauftrag von den Profis übernehmen lassen. Ansonsten gehen Sie wie beschrieben mit der Prüfung vor und erkundigen Sie sich, welche Vorbehandlungen und Glattputzmaterialien in Frage kommen. Nach dem Neuauftrag, der mindestens eine Stärke aufweisen sollte, welche die raue Struktur abdeckt, muss der Putz vollständig trocknen und noch einmal fein abgeschliffen werden, bevor Sie mit dem Tapezieren ans Werk gehen können. Achten Sie auch hier wie immer auf die Punkte, die für einen haftfähigen Untergrund von Bedeutung sind, ggf. ist bei stark saugenden Untergründen die Vorbehandlung mit Tiefengrund angeraten.

Gipskartonplatten anbringen für die glatte Wandfläche
Gipskartonplatten können Sie bedarfsgerecht im Baumarkt kaufen und auch leicht einfach zuschneiden (lassen). Zum Verkleiden der Rauputzwand bieten sich zwei Optionen an: Das Kleben der Gipskartonplatten direkt auf die vorbehandelte Wand oder das Aufschrauben der Platten auf eine Lattenunterkonstruktion, die an der Rauputzwand befestigt wird. Beide Varianten sind für den versierten Heimwerker durchführbar, wobei darauf zu achten ist, dass die Gipskartonplatten mit Fugen zu verlegen sind, die später verspachtelt werden. Zum Abschluss erfolgt der Feinschliff, um einen ebenen Übergang zwischen den gespachtelten Stellen und dem Gipskarton zu erzielen. Wer sich dies nicht zutraut oder keinerlei Erfahrungen damit hat, sollte sich an einen Trockenbauer seines Vertrauens wenden. Gipskartonwände werden weiterhin vor dem Tapezieren mit Tiefengrund behandelt, da sie stark saugen.

Exkurs Kalkputz und Lehmputz
Diese beiden Putzarten können sowohl ein glattes als auch ein strukturiertes raues Erscheinungsbild aufweisen. Doch sie besitzen besondere Eigenschaften, die durch jedwede Verkleidung oder Abdeckung hinfällig oder beeinträchtigt werden. Beide Putzvarianten regulieren Schadstoffe und Feuchtigkeit im Raum, sie sind hoch atmungsaktiv.

Kalkputz gehört zu den anspruchsvollen Putzmaterialien, dessen Verarbeitung Erfahrung und Know How erfordert. Er zeichnet sich durch seine hervorragenden klimaregulierenden Eigenschaften aus, ist atmungsaktiv, schimmelresistent, feuchtigkeitsausgleichend. Auch Kalkzementputz erfüllt diese Eigenschaften, ist jedoch leichter zu verarbeiten. Raue Wände, die mit Kalkputz überzogen sind, können nicht mit jedem beliebigen Glattputz abgedeckt werden, zudem kann eine Vorbehandlung für den stark saugenden Untergrund erforderlich sein.

Lehmputz sollte grundsätzlich nicht tapeziert werden, davon raten die Experten ab. Dieser atmungsaktive und natürliche Putz hat eine feuchtigkeitsregulierende Funktion und ist diffusionsoffen. Diese Funktion wird beeinträchtigt oder auch hinfällig, wenn der Lehmputz mit Tapete oder anderen Wandverkleidungen überdeckt wird. Es ist zwar technisch nicht unmöglich, einen strukturierten Lehmputz zu glätten, allerdings schwierig und nur in Absprache mit oder von einem Fachmann durchzuführen.

Wichtige Informationen für Mieter
Zum Abschluss unseres Ratgebers zum Thema Rauputz möchten wir darauf hinweisen, dass Mieter diese Veränderungen am Wanderscheinungsbild, also Glätten des rauen Putzes durch Streichmakulatur, den Auftrag eines neuen Glattputzes oder die Verkleidung mit Gipskartonplatten im Vorfeld mit dem Vermieter abklären müssen. Grundsätzlich kann der Vermieter die jeweilige Maßnahme ablehnen, wenn sie einen Eingriff in die Bausubstanz oder eine für ihn zu erwartende Mieteinnahmen-Minderung bei Neuvermietung darstellt. Alle Veränderungen, die vor einem Auszug wieder rückgängig gemacht werden können, sind meist unproblematisch und der Vermieter wird dem mit Sicherheit zustimmen.

In Punkto Rauputz verändern, beseitigen, verkleiden, ist aber immer genau abzuwägen, ob die Herstellung des Originalzustandes wirklich für den Mieter problemlos möglich ist, ansonsten kostet ihn dies viel Zeit und Geld. Wir empfehlen zudem, mit dem Vermieter eine schriftliche Genehmigungsvereinbarung, in der auch ggf. Auflagen für den Mieter festgehalten sind, zu treffen, um im Streitfall auf der sicheren Seite zu sein.

 
 

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