Wie tapeziere ich Vliestapeten

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1 Kleister anmischen

Wenn Sie sich für Vliestapete entschieden haben, benötigen Sie einen speziellen Kleister für Vliestapeten, der im Handel auch so gekennzeichnet ist. Dieser Kleister wird direkt auf die Wand und nicht wie bei Papiertapeten auf die Rückseite der Tapetenbahn aufgetragen, Einweichzeiten fallen somit ebenfalls weg. Mit Kleister für Vliestapeten angebrachte Tapetenbahnen können später trocken und rückstandslos wieder abgezogen werden.

Die Decke wird immer zuerst tapeziert und ist daher auch als erstes einzukleistern (falls das bei Ihnen vorgesehen ist). Kleistern Sie Decke und Wand immer bahnenweise ein, damit Sie jede Tapetenbahn ohne Zeitdruck anbringen können. Das ist auch von großem Vorteil, wenn Sie an einem Tag einmal nicht so viele Bahnen schaffen, wie sie sich vorgenommen haben oder die Tapezierarbeit unerwartet unterbrechen müssen.

Vergewissern Sie sich vor dem Anrühren des Kleisters noch einmal, ob es sich bei den gekauften Packungen um Kleister für Vliestapeten handelt. Dieser Kleister ist als fertig angerührte Masse farblos. Frische, ungeöffnete Kleisterpackungen sind ein Muss, um die volle Klebekraft des Kleisters zu gewährleisten. Bei bereits geöffneten Packungen verflüchtigen sich im Laufe der Zeit Inhaltsstoffe, die Haftkraft ist dann nicht mehr hundertprozentig gegeben. Lagern Sie gekaufte Kleisterpackungen kühl und trocken.

Noch einige Vorbereitungen…
Der gerade Ansatz der ersten Tapetenbahn ist für den gesamten Tapeziervorgang und das spätere Erscheinungsbild von größter Bedeutung. Daher wird die erste Tapetenbahn an Decke oder Wand immer ausgelotet. Dies geschieht mit einem Senklot oder einer Wasserwaage. Markieren Sie sich mit dem Bleistift eine gerade Lotlinie, an der Sie später die erste Bahn genau ansetzen.

Heizkörper sollten abgedeckt werden, damit beim Einkleistern der Wand keine Flecken darauf entstehen. Achten Sie auf eine konstante Raumtemperatur, weder zu hoch, noch zu niedrig, ideal sind für das Einkleistern und Tapezieren 18 bis 20 Grad. Zugluft sollte vermieden werden, schließen Sie daher auch die Fenster.

Wenn Sie mit dem Einkleistern der Wand nicht sofort beginnen können

Decken Sie den Kleistereimer mit Folie oder einem Deckel ab. Vergessen Sie nicht, den Kleister dann direkt vor dem Einkleistern der Wand noch einmal kräftig durchzurühren. Auch wenn Sie noch Kleister übrig haben, lässt er sich abgedeckt ca. 14 Tage an einem kühlen Ort aufbewahren und kann für Nacharbeiten verwendet werden.

Und nun wird der Kleister angerührt
Dazu benötigen Sie die entsprechende Anzahl Packungen Tapetenkleister für Vliestapeten, Wasser, einen Kleistereimer mit Maßeinheiten oder ein passendes anderes Gefäß und ein langes Rührwerkzeug, z.B. einen Holzstab. Achten Sie darauf, dass Eimer oder Gefäß, in dem der Kleister angerührt wird, sauber, rostfrei und ausreichend groß für die Menge sind.

Die relevanten Angaben für die Menge von Kleister und Wasser finden Sie auf der Ansatztabelle der Packung. Bei Vliestapeten erfolgt beim Ansatzverhältnis eine Unterscheidung in Vliestapeten mit glattem oder geprägtem Rücken.

Schritt für Schritt zur perfekten Kleistermasse

  • 1 Kaltes Wasser entsprechend der angegebenen Menge in den Eimer füllen. Achtung: Wasser wird immer zuerst eingefüllt, nie das Kleisterpulver als erstes in den Eimer hineingeben.
  • 2 Kleisterpackung öffnen, in einer Höhe von etwa 10 cm über dem Wasser ansetzen. Nehmen Sie den Rührstab in die freie Hand und rühren Sie das Wasser um, damit es in Bewegung kommt und das Kleisterpulver besser aufnimmt.
  • 3 Lassen Sie nun den Kleister zügig einrieseln, dabei immer gut umrühren. Verändern Sie auch die Rührrichtung von links nach rechts und umgekehrt, damit sich Kleisterpulver und Wasser optimal vermischen.
  • 4 Achten Sie darauf, dass nicht zu viel Kleister auf einmal in das Wasser gelangt, da sich sonst Klümpchen bilden können. Ist dies doch passiert, einfach kräftig weiterrühren. Hat sich eine homogene Kleistermasse gebildet, so rühren Sie bitte noch einige Minuten weiter.
  • 5Nun braucht der Kleister eine Quellzeit, um seine Hafteigenschaften optimal ausbilden zu können. Dabei verändert sich auch die Konsistenz von flüssig zu gelartig. Die Zeitdauer ist genau auf der Kleisterpackung angegeben, die Quellzeit beträgt in der Regel 10-15 Minuten. Ist die Quellzeit vorüber, rühren Sie die Kleistermasse noch einmal kräftig durch.

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2 Wand einkleistern

Nun wird die Wandfläche für die erste Tapetenbahn eingekleistert. Zum Auftragen des Kleisters verwenden Sie am besten eine kurzflorige Rolle, damit kann weitestgehend ohne Spritzer gearbeitet werden. Alternativ kommt auch die Kleisterbürste in Frage. Machen Sie es so, wie es für Sie am einfachsten und effektivsten ist.

Rühren Sie den Kleister noch einmal kräftig um und tauchen Sie dann Rolle oder Kleisterbürste ein, achten Sie darauf, nicht zu viel Kleister aufzunehmen, da es sonst tropft. Orientieren Sie sich an der ausgeloteten Markierungslinie und tragen Sie den Kleister etwas darüber hinaus auf, damit auch die Ränder der Tapetenbahn optimalen Halt finden. Kleistern Sie die Wand (oder Decke) satt und gleichmäßig ein. Es sollten keine so genannten Kleisternester entstehen, also Stellen, an denen der Kleister zu dick aufgetragen wurde.

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3 Tapetenbahn an der Wand anbringen

Das Anbringen der Tapetenbahn kann direkt nach dem Einkleistern der Wandfläche erfolgen, vermeiden Sie zu lange Wartezeiten, da der Kleister dann trocknet und Sie wieder erneut auftragen müssen.

  • 1 Nehmen Sie die erste zusammengerollte Bahn zur Hand und steigen Sie damit auf die Leiter.
  • 2 Setzen Sie die Bahn an Ihrer Markierungslinie (Lotlinie) an und schieben Sie sie ca. 5,00 cm über die Wandoberkante an die Decke (einkalkulierter Überstand).
  • 3 Dann drücken Sie die Tapetenbahn sanft an, damit sie ersten Halt findet und rollen sie nach unten hin ab.
  • 4 Streichen Sie anschließend mit der trockenen und sauberen Tapetenbürste die Bahn von der Mitte ausgehend zu den Seiten leicht an der Wand fest.

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4 Tapete andrücken, insbesondere die Nähte

Jetzt kommt mit der wichtigste Teil beim Tapezieren von Vliestapeten. Die angebrachte Tapetenbahn wird mit einer Tapezierwalze vorsichtig und nicht zu fest angedrückt, damit die Tapete nicht verrutschen kann. Verwenden Sie je nach Oberflächenbeschaffenheit der Tapete die entsprechende Walze. Im Handel finden sich Tapezierwalzen aus Gummi, Moosgummi und Schaumstoff. Bei sehr empfindlichen Oberflächen sollten Sie auf eine Tapezierwalze aus Moosgummi bzw. Schaumstoff zurückgreifen.

Führen Sie die Walze von unten nach oben und arbeiten Sie auch hier von der Mitte der Bahn nach außen, damit Luft entweichen kann. Das macht die Walze für das finale Andrücken auch effektiver als die Bürste, insbesondere bei Vliestapeten, wenn der Kleister auf die Wand aufgetragen wurde.

Die Nähte können ggf. mit einem Nahtroller bearbeitet werden, der bei empfindlichen Oberflächen jedoch nur begrenzt einsetzbar ist und aus Moosgummi oder Schaumstoff gefertigt sein sollte. Vermeiden Sie insbesondere beim längsseitigen Arbeiten einen zu starken Druck, da sich sonst der Ansatz des Tapetenmusters verzieht, was zu Problemen beim ansatzgleichen Anbringen der nächsten Bahn führt.

Sollte beim Andrücken mit der Tapezierwalze oder der Nahtrolle Kleister austreten, was durch zu festes Drücken oder ein Zuviel an Kleister passieren kann, so muss dieser sofort beseitigt werden. Nehmen Sie mit einem Küchenkrepp den überschüssigen Kleister auf. Dann befeuchten Sie die Stelle mit einem Schwammtuch und wischen anschließend mit einem saugfähigen trockenen Tuch nach, bis keine Kleisterspur mehr vorhanden ist. Gehen Sie hier mit Sorgfalt vor, tupfen Sie anstatt zu Reiben oder gar zu Rubbeln, um die Oberfläche der Vliestapete nicht zu beschädigen.

Vermeiden Sie beim Andrücken der Bahn mit Tapezierwalze und/oder Nahtroller, dass Sie mit den Werkzeugen in den Kleister, der über die Markierungslinie hinaus aufgetragen wurde, geraten. So ein Missgeschick hätte lästige Folgen. Dann müssten Sie erst das Werkzeug reinigen, was je nach Material, z.B. Schaumstoff, nicht so ohne weiteres und vor allen Dingen schnell möglich ist. Ansonsten würden Sie den Kleister an der Walze oder dem Nahtroller auf der Tapetenoberfläche verteilen.

Tipp

Wenn Sie Schaumstoffwalzen verwenden, legen Sie sich zwei oder drei Ersatzwalzen zurecht, die im Bedarfsfall leicht auszutauschen sind.

Wenn die Tapetenränder an einigen Stellen nicht anhaften, dann ist hier zu wenig Kleister vorhanden. Mit einem feinen Pinsel können Sie das Kleisterdefizit sauber ausgleichen.

Lassen Sie sich für die erste Bahn ausreichend Zeit, denn sie ist entscheidend für das Gesamtergebnis. Fehler, die sich hier einschleichen, ziehen sich wie ein roter Faden entlang der Wand und führen zu weiteren Problemen. Daher ist das korrekte Ansetzen an der Markierungslinie auch so wichtig. Die nächsten Bahnen können dann an der ersten Bahn angesetzt werden, wobei von Zeit zu Zeit das Senklot zur Prüfung wieder zum Einsatz kommen sollte.

Sind die Tapetenbahnen angebracht, brauchen sie Ihre Zeit zum Trocknen, die jedoch nicht beschleunigt werden sollte, weder durch eine zu hohe Raumtemperatur, noch durch Zugluft oder einen Fön.

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5 Überstände abschneiden

Jetzt haben Sie die erste Tapetenbahn erfolgreich an die Wand gebracht. Noch der letzte Schnitt und Sie dürfen zufrieden einige Meter zurücktreten und Ihr Werk bewundern. Nun werden die Überstände oben und unten abgeschnitten. Wenn Sie die Fußleisten schon vorher abmontiert haben, entfällt dieser Schritt. Das ist ohnehin, so weit als möglich, immer zu empfehlen, um einen perfekten unteren Abschluss zu erhalten.

Zwei Wege führen zu einem sauberen Schnitt, je nachdem, wie Sie am besten zurechtkommen und wie sich die Voraussetzungen der Tapete zeigen:

  • 1 Setzen Sie Lineal, Tapezierspachtel oder Tapezierschiene jeweils oben sowie unten an den Kanten an und schneiden Sie daran entlang den Überstand mit einem Cuttermesser exakt ab. Die Klinge sollte scharf sein, um ein rissiges Schnittbild zu vermeiden.
  • 2 Drücken Sie mit Lineal, Tapezierspachtel oder Tapezierschiene die Tapete an den Kanten oben und unten noch einmal an. Dazu können Sie auch die Rückseite einer Tapezierschiene verwenden. Nun wird die Tapete vorsichtig soweit von der Wand abgezogen, dass der Überstand an der sichtbaren Falz mit der Schere abgeschnitten werden kann. Hier sollten Sie möglichst mit ruhiger Hand und gerade schneiden. Anschließend wird die Tapete wieder angedrückt und mit Tapezierwalze und ggf. Nahtroller bearbeitet. Diese Variante ist dann zu empfehlen, wenn sich die Tapete noch ohne Probleme abziehen lässt.