Welcher Kleister für welche Tapeten bzw. Untergründe

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Tapete und Kleister gehören fast immer untrennbar zusammen. Bei speziellen Tapetenmaterialien sind jedoch auch oftmals spezielle Klebstoffe oder Leime gefragt. Auch der Untergrund spielt eine Rolle, denn es wird ja nicht nur auf die Wand tapeziert. Die DIY-Bewegung kennt keine kreativen Grenzen und so lassen sich Türen, Glas- oder Möbeloberflächen, Treppenstufen und vieles mehr mit Tapete kunstvoll und individuell gestalten.

Wenn wir jetzt den zauberhaften Spiegel aus dem Märchen „Schneewittchen“ um Rat bitten wollten, dann lautet unsere Frage: „Spieglein, Spieglein an der Wand, was ist der richtige Kleister an der Wand… und auf allen anderen möglichen Untergründen, und was müssen wir hinsichtlich der Tapetenart beachten?“

In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wissenswerte über den richtigen Kleister am richtigen Ort, in der geeigneten Zusammensetzung, und warum die Beschaffenheit der jeweiligen Untergründe ebenfalls ausschlaggebend ist.

Grundsätzliches zum Kleister

Kleister wird als Pulver zum Anrühren oder als Fertigkleister zum direkten Gebrauch im Handel angeboten. Die Pulversorten finden sich in Papierverpackungen und sollten daher trocken gelagert werden. Kleisterpulver wird in einem angegebenen Mischverhältnis mit Wasser angerührt und benötigt eine bestimmte Quellzeit, um seine geleeartige Konsistenz zu bilden. Alle wesentlichen Angaben zum Ansetzverhältnis von Kleisterpulver und Wasser sowie zur Quellzeit sind auf der Verpackung zu finden. Renommierte Kleisterhersteller bieten zudem auch Flüssigkleister an. Dabei handelt es sich um ein flüssiges Konzentrat, das ebenfalls mit Wasser angerührt wird, aber durch seine Konsistenz der Klumpenbildung vorbeugt und das Ansetzen generell erleichtert.

Halten Sie beim Anrühren von Kleister alle Mengenangaben und Zeiten ein, gehen Sie Schritt für Schritt vor und beachten Sie auch unsere Tipps in der Tapezieranleitung Wie tapeziere ich Papiertapeten - Kleister anmischen.

Fertigkleister wird üblicherweise in Eimern mit ca. 16 kg Gewicht angeboten. Die Fertigmischung ist je nach Zusammensetzung für Papier- und Raufasertapeten, Vinyl-, Struktur-und Vliestapeten verwendbar, sie kann aber auch als Dispersionskleber definiert sein.

Kleisterpulver-anmischen

Welche Kleisterart entsprechend der Tapetenbeschaffenheit und Charakteristika wie Material, Gewicht und Haftanforderungen benötigt wird, ist auf dem Einleger der Tapetenrolle angegeben. Für wasserdampfundurchlässige Tapeten wie Vinyltapeten oder Metallfolientapeten benötigt man Kleister, dem Dispersionskleber oder Kunststoffdispersionen zugefügt sind, bzw. reinen Dispersionskleber, damit die nötige Haftung erreicht wird.

Beim Kleister kommt es auf Qualität an, deshalb sollten Sie nicht am falschen Ende sparen. Hochwertige Kleistersorten bestehen aus natürlicher ungiftiger Stärke und Methylzellulose. Für eine stärkere Klebekraft und eine länger Haltbarkeitsdauer sowie eine leichtere Anwendung werden Zusatzstoffe, insbesondere Kunstharze beigefügt. Der Methylzelluloseanteil zeigt sich bei Kleister guter Qualität gleichwertig oder höher als der Stärkeanteil, was für eine exzellente Klebkraft und Haftung sorgt.

Handelsübliche Kleisterarten nach Tapetentypen

Nachfolgend die Übersicht über die gängigen Kleisterarten entsprechend der Tapetenbeschaffenheit:

  • Normalkleister besteht aus Zellulose-Ether und Stärke und ist für leichte bis schwere Papiertapeten die richtige Wahl.
  • Spezialkleister enthält zusätzlich Kunstharz, um die Klebekraft und die Gesamthaftung von schweren Tapeten wie Raufasertapete, Vinyltapete, Präge- und Strukturtapeten zu erhöhen. Er ist je nach Ausführung und Hersteller auch für Textiltapeten, Seidentapeten, Grastapeten oder Korktapeten verwendbar.
  • Textiltapetenkleister verfügt ebenfalls neben den Grundbestandteilen über Kunststoffdispersionszusätze und ist mit weiteren Zusätzen ausgestattet, um die Klebekraft deutlich zu erhöhen. Diese Kleistersorte ist sowohl als Kleisterzusatz als auch alleiniger Kleber für Textiltapeten, Metalltapeten, Folientapeten, sowie Tapeten mit Geweberückseiten einsetzbar.
  • Vliestapetenkleister ist speziell für Vliestapeten konzipiert. Bei der Verarbeitung wird die Wand und nicht die Tapetenbahn eingekleistert, daher muss dieser Kleister eine hohe Anfangshaftung aufweisen, damit die trockene Bahn direkt haften bleibt. Die Konsistenz des fertigen Kleisters ist zudem spritzarm. Um zu erkennen, welche Bereiche der Wand bereits eingekleistert wurden, können Vliestapetenkleister sogenannte Farbmarker enthalten. Diese farbige Markierung trocknet jedoch später vollkommen transparent auf.
  • Maschinenkleister/Tapeziergerätekleister ist, wie die Bezeichnung schon erkennen lässt, für Tapeziergeräte bestimmt. Dieser Kleister weist eine dünnflüssigere Konsistenz auf und ist für höhere Klebekraft mit Kunstharzen angereichert.
  • Dispersionskleber sind gebrauchsfertige Klebstoffe auf Kunststoff- oder Kunstharzbasis. Ihre Konsistenz und Farbe unterscheidet sich deutlich vom handelsüblichen Kleister. Dispersionskleber wird in Behältern unterschiedlicher Größe (entsprechend der zu behandelnden Fläche) angeboten. Er kann als Zugabe einem Spezialkleister beigemischt werden, um dessen Klebekraft deutlich zu erhöhen, oder auch ausschließlich pur für die Verklebung aufgetragen werden. Diese Art von Kleister kommt bei schweren und wasserundurchlässigen Tapeten wie Glasfaser, Vinyltapeten und Strukturtapeten zum Einsatz, die eine hohe Haftkraft benötigen.

Auch als Bordürenkleber für das Kleben von Bordüren auf Tapeten ist Dispersionskleber bestens geeignet (z.B. Vinylbordüre auf Vinyltapete). Zu diesem Zweck und für filigrane Nahtreparaturen bieten sich die praktischen Tubenformate an.

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Welcher Kleister für welchen Untergrund?

Die aufgeführten handelsüblichen Kleisterarten sind generell für Wände aus Beton, Zement, Gips und Gipskartonplatten geeignet, wobei natürlich die Wandvorbereitung entsprechend gründlich ausgeführt werden muss. Dazu mehr in unserer Anleitung Wie bereite ich den Tapezieruntergrund vor.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Es kommt weniger auf die Art des Untergrundes an, als auf dessen Beschaffenheit. Weiterhin spielt das Material und die Wasserdampfdurchlässigkeit der Tapete eine bedeutende Rolle. Was für die Wand gilt, ist auch für alle anderen Untergründe eine Faustregel: Der Untergrund muss trocken, sauber, eben, tragfähig, haftfähig und gleichmäßig saugfähig sein. Hier unsere Tipps und Empfehlungen für Untergründe, die beim kreativen Tapezieren gefragt sind:

Tapezieren auf Holz (Möbel, Holzplatten, Treppenstufen)

Unbehandeltes, trockenes und saugfähiges Holz, frei von Lackresten, Wachsen und Harzen, bietet den besten Untergrund für Tapete, die mit Kleister angebracht werden kann. Welcher Kleister oder Kleber letztlich zum Einsatz kommt, hängt vom Material der Tapete und der Dampfdurchlässigkeit ab (siehe Hinweise Kleisterarten). Kleister sollte immer dünn aufgetragen werden, um ein Durchfeuchten des Holzuntergrunds zu vermeiden.

In den meisten Fällen müssen Möbelfronten oder Oberflächen aus Holz daher vorbehandelt werden. Eine ebene, saubere, trag- und haftfähige Oberfläche erhält man durch das Abschleifen oder Ablaugen von massivem Echtholz. Nach dem auf diese Weise Lackspuren, Wachs- und Imprägnierreste entfernt wurden, sollte die Oberfläche sorgfältig gereinigt werden. Das Vorstreichen mit Haftgrund/Primer empfiehlt sich für ein optimales Ergebnis bei stark saugenden Holzarten.

Furnierholz lässt sich nicht beschleifen oder anrauen, denn dadurch würde die Oberfläche beschädigt. Allerdings muss für das Verschönern mit Tapete auch hier eine haftfähige Oberfläche geschaffen werden. In diesem Fall bietet sich eine Grundierung mit Haftgrund an. Bei rauen, unbehandelten Oberflächen wie sie Holzprodukte aus Spanplatten, OSB-Platten, Paneelen oder Sperrholz vorweisen, ist Haftgrund nicht unbedingt erforderlich. Sind Wände mit Holz dieser Art vertäfelt, kann die Tapete nach dem Trocknen an den Übergangskanten der Holzvertäfelung reißen. Hier sollten die Übergänge verspachtelt und geglättet werden; auch das Anbringen von Gipskartonplatten schafft saubere Übergänge.

Holz ist ein lebendiger Werkstoff, der immer „arbeitet“. Er nimmt Feuchtigkeit auf und quillt dadurch auf. Wenn die Feuchtigkeit trocknet, zieht sich Holz wieder zusammen. Um ein Verziehen von Holzelementen durch die Feuchtigkeit des Kleisters zu vermeiden, hat sich das beidseitige Tapezieren bewährt (für beide Seiten die gleiche Tapetenart). Tapezieren Sie zum Beispiel Schranktüren nicht nur außen, sondern auch innen.

Auch eingekleisterte Tapetenbahnen dehnen sich zunächst aus und schrumpfen beim Trocknen wieder zusammen. Das gilt jedoch ausschließlich für Papiertapeten. Um dies zu verhindern, sollten formstabile Vliestapeten gewählt werden. Es ist auf eine gleichmäßige Trocknung zu achten, die Raumtemperatur sollte weder zu hoch noch zu niedrig sein und auch die Luftfeuchte darf keine zu hohen Werte aufweisen.

Tapezieren auf Fliesen, Keramik, Naturstein, Ton

In unserer Anleitung Wie tapeziere ich im Badezimmer und dem Ratgeber-Blog Tapeten für Badezimmer und Küche können Sie ausführlich nachlesen, wie Fliesenwände/-flächen tapeziert werden und was bei der Untergrundvorbereitung zu beachten ist. Der zu verwendende Kleister richtet sich dann nach der Tapete und nach der Dampfdurchlässigkeit. In der Regel kommen hier Spezialkleister unter Zusatz von Dispersionskleber zum Einsatz. Für Keramik, Naturstein und Ton gilt im Prinzip dasselbe.

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Tapezieren auf Kunststoff, Glas, Metall

Kunststoffoberflächen, Glas und Metall bieten dem Kleister aufgrund ihrer glatten Oberfläche keine ausreichende Haftfähigkeit und auch Haftgrund findet nur schwer Halt. Für Kunststoff und Metall werden zwar verschiedentlich Spezialkleister und Dispersionskleber empfohlen, allerdings sind damit tapezierte Oberflächen dieser Art nur schwer wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen - gerade die Entfernung von Spezialkleber ist sehr arbeitsintensiv.

Die sauberste und relativ rückstandsfreie Lösung ist hier doppelseitiges (für Glas transparentes) Klebeband, das an den oberen und unteren Kanten der zu verkleidenden Oberfläche sowie an den Seitenrändern angebracht wird. Bei längeren Bahnen sollten auch in der Mitte noch Klebestreifen befestigt werden. Darauf wird dann die Tapetenbahn von oben über die Seiten und die Mitte bis nach unten angedrückt, wobei man darauf achten muss, dass sich beim Ankleben keine Falten oder Luftblasen bilden. Um dies zu erreichen, wird die Bahn immer wieder glattgestrichen. Bei Glastüren oder Glaselementen an Möbeln wird stets die Innenseite tapeziert.

Zu guter Letzt

Universalrezepte für den richtigen Kleister oder das beste Haft-/Befestigungsmittel gibt es bei schwierigen Untergründen generell nicht. Oftmals geht hier „Probieren über Studieren“ und mitunter müssen verschiedene Lösungsansätze getestet werden.