Alte Tapeten übertapezieren - Geht das?

Nicht umsonst heißt es „Tapetenwechsel“. Jeder, der schon einmal einen solchen durchgeführt hat, weiß, wie mühsam, zeitintensiv und nervenzerreißend das Entfernen der alten Tapete sein kann. Stück für Stück arbeitet man sich mit Engelsgeduld vor, aber es lösen sich nur kleinste Teilchen, die Wand scheint kein Ende mehr zu nehmen. Mitunter muss man sich durch mehrere Schichten überklebter Tapetenmasse quälen, vielleicht sind darunter auch noch mehrfach gestrichene Tapeten.

Kein Wunder also, dass sich viele völlig zu Recht die Frage stellen: Kann ich alte Tapeten übertapezieren? In wenigen Fällen ist das möglich, allerdings raten die Experten von dieser Vorgehensweise aus mehreren guten Gründen ab.

Dieser Ratgeber beantwortet die Frage umfassend, erklärt warum die alte oder bestehende Tapete runter sollte, bevor die neue an die Wand gebracht wird und wie die Arbeit leichter von der Hand geht. Die so genannte Makulaturtapete ist ausdrücklich zum Übertapezieren gedacht. Was es mit ihr auf sich hat und warum Papiertapeten oder Zeitung früher oft als Untertapete genutzt wurden, sind ebenso Aspekte wie der Blick in die Zukunft, damit ein späteres Entfernen von Tapeten ohne großen Aufwand gelingt.

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Alles nur Makulatur oder Warum früher so gerne übertapeziert wurde

Früher war alles in der Tat anders und die Tapetenauswahl bei weitem nicht so umfangreich und vielseitig wie heute. Glatte Papiertapeten mit oder ohne Muster zierten in den 1950er Jahren die Wände des Bürgertums, in den 60er und 70er Jahren traten Struktur-, Präge- und Vinyltapeten ihren Siegeszug an. In Altbauten ist es daher nicht verwunderlich, dass vornehmlich diese Tapeten an der Wand haften, auch gleich in mehreren Schichten, wenn es sich um reine Papiertapeten handelt.

Durch den technischen Fortschritt haben sich die baulichen Standards und Ansprüche deutlich verändert. Heute kennen wir die Wände in neuen bezugsfertigten Räumen ohne Makel und mit fantastisch glatter Putzoberfläche, auch der Trockenbau hat hier neue Maßstäbe gesetzt.

Früher wurden die meisten Wohnhäuser in Massivbauweise Stein auf Stein und vom Bauherren selbst errichtet, um Kosten zu sparen. Das ging nicht immer alles hundertprozentig glatt und die Baumaterialien zum Verputzen waren längst nicht so ausgereift wie heute. Um die mehr oder weniger vorhandenen Unebenheiten oder farblich ungünstige Putzstrukturen auszugleichen, wurde gerne Zeitungspapier als „Unterlage“ an die Wand geklebt, um für die dekorative Tapete einen optimalen Untergrund zu schaffen.

Zeitung-als-Makulaturtapete   Zeitung-als-Tapezieruntergrund

Diese Funktion, verbunden mit einer großen Arbeitsersparnis, erfüllten später Tapeten mit Papierträger, die spaltbar trocken abziehbar sind und bei denen sich nur die oberste Schicht löst, der Papierträger jedoch als Makulaturschicht an der Wand erhalten bleibt. Auf diese Schicht kann dann rein theoretisch die neue Tapete geklebt werden, wenn diese unversehrt und mit der Wand immer noch fest verbunden ist. In der Regel ist jedoch auch hier, bis auf wenige Ausnahmen, das vollständige Entfernen der alten Schicht angeraten, allein schon aus hygienischen Gründen.

Runter mit den alten Tapeten - Es gibt genug gute Gründe

Für das optimale Tapezierergebnis und ein stimmiges Erscheinungsbild heißt die Faustregel: Der Untergrund muss trocken, sauber, farbneutral, ebenmäßig, trag-, saug- und haftfähig sein. Eine alte Tapete bietet dafür keine idealen Voraussetzungen und zwar aus diesen zahlreichen Gründen:

  • Alte Tapeten haben über die Jahre hinweg Umweltpartikel in Hülle und Fülle aufgenommen, auch bei kontinuierlicher Reinigung bleiben Beläge, Verfärbungen, Staub- und Schmutzablagerungen, die sich als dunkle Schatten zeigen, nicht aus.
  • Der Untergrund kann böse Überraschungen bereithalten, welche die Tapete vielleicht noch überdeckt, die jedoch langfristig zu einem großen Problem werden, z.B. Feuchtigkeitsschäden, kompaktere Risse, Schimmelsporen.
  • Sauberkeit und Hygiene sehen anders aus, wie die beiden obigen Punkte zeigen. Alte Tapeten riechen auch muffig und geben mitunter giftige Stoffe in die Raumluft ab. Allein schon der Gedanke, darüber zu tapezieren, löst Unbehagen aus.
  • Dunkle oder kräftige Farben der alten Tapete, knallige Muster, Nikotinflecken, Verfärbungen, etc. scheinen bei hellen und dünnen neuen Tapeten durch und beeinträchtigen das angenehme Erscheinungsbild extrem.
  • Eine Haft- und Tragfähigkeit ist bei beschichteten, versiegelten, aufgeschäumten oder folierten Tapeten nicht gegeben. Der Kleister kann hier überhaupt nicht greifen, da diese Oberflächen entweder keine Feuchtigkeit durchlassen, den Kleister abweisen oder derart uneben sind, dass kein fester Klebeverbund entsteht. Auch Blasen, Falten und andere Unebenheiten der alten Tapeten beeinträchtigen die Haftkraft.
  • Alte Papiertapeten, die Wasser aufnehmen, werden durch den Kleister der neuen Tapete angelöst, es können sich Nähte und Kanten öffnen, im schlimmsten Fall kommt die alte Bahn zusammen mit der neuen Bahn herunter. Ein Schelm könnte jetzt meinen: „Das erspart dann wenigstens das Abkratzen“.
  • Die Schwerkraft zieht nach unten, was logischerweise bedeutet, dass ein Kleben von schweren Tapeten übereinander letztlich nur den freien Fall zur Folge haben kann.
  • Strukturen, Prägungen, natürliche oder textile Materialien der alten Tapete zeichnen sich bei Überklebung auf der neuen Tapete ab, was als störend empfunden wird und das Tapetenbild verfälscht. Rein theoretisch lässt sich z.B. eine Raufasertapete mit einer entsprechend dickeren Strukturtapete überkleben, um diesen Effekt zu verhindern. Doch dann kann die Schwerkraft trotzdem noch einen Strich durch die Rechnung machen.

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Beherzigen Sie den Rat der Experten und tapezieren Sie nur auf einem geeigneten Untergrund, den alte Tapeten nicht bieten. Auch die Unterschicht einer spaltbar trocken abziehbaren Tapete von Anno Dezibel ist keine saubere und hygienische Grundlage mehr. Darunter kann sich zudem im Laufe der Jahre ein Feuchtigkeitsproblem gebildet haben, das mit seinen unangenehmen Folgen erst nach dem Entfernen richtig zum Vorschein kommt. Das Übertapezieren der Makulaturschicht ist dann möglich, wenn diese überall festsitzt, es keine gelösten, offenen oder beschädigten Stellen gibt und der Gesamteindruck sauber ist, was bei neueren Tapeten durchaus der Fall sein kann.

Generell spielt das Alter der Tapete bzw. wie lange oder kurz sie an der Wand haftet, keine Rolle. Neue Tapete auf vorhandene Tapete zu kleben, ist keine gute und schon gar keine fachgerechte Lösung.

Alte Tapeten entfernen - So gelingt es leichter

Wer es richtig und sauber machen möchte, der kommt um das Entfernen der alten Tapete nicht herum. Doch man muss sich nicht gleich das Leben daran nehmen oder verzweifeln. Zunächst ist herauszufinden, welche Art von Trägerschicht bei der Tapete vorliegt, denn diese entscheidet über die Entfernungsmethode. Hier wird unterschieden in Tapeten mit Papierträger oder Vliesträger.

Tapeten mit Papierträger sind als spaltbar trocken abziehbare Tapeten und nass zu entfernende Exemplare erhältlich. Bei der spaltbar trocken abziehbaren Tapete ist der Name Programm. Die oberste Dekorschicht kann meist bahnenweise abgezogen werden, während der Papierträger an der Wand als Unterschicht (Makulatur) verbleibt. Da er bei alten Tapeten besser auch entfernt werden sollte, ist das Vorgehen gleich wie bei den nass zu entfernenden Papiertapeten.

Bei ausschließlich nass zu entfernenden Tapeten ist je nach Oberflächenstruktur und Dicke das Aufrauen mit speziellen Werkzeugen angeraten, damit die Feuchtigkeit, die den Kleister lösen soll, optimal eindringen kann. Tapeten mit Vliesträger können in der Regel trocken restlos bahnenweise abgezogen werden. Hier ist der Arbeitsaufwand am geringsten.

Tapete-entfernen

Um herauszufinden, mit welcher Art von Träger Sie es bei der zu entfernenden Tapete zu tun haben, reicht es aus, eine Reißprobe zu machen. Suchen Sie sich dafür am besten eine Nahtstelle oder führen Sie einen Schnitt mit dem Cuttermesser durch. Dann fassen Sie die Tapete und reißen ein Stück heraus. Löst sich die Tapete komplett, so dass der Untergrund frei liegt, handelt es sich um eine Vliestapete. Hat sich nur die oberste Schicht gelöst und es kommt eine Papierschicht zum Vorschein, liegt eine spaltbar trocken abziehbare Tapete vor. Wenn sich die Tapete nur schwer und in kleinen Stücken abreißen lässt, können Sie davon ausgehen, dass es sich um eine nass zu entfernende Papiertapete handelt.

Nicht immer ist dieser Test so eindeutig, daher findet sich noch ein Trick, um auf Nummer sicher zu gehen. Betrachten Sie das abgerissene Stück genauer - Zeigen die Ränder längere Fasern, spricht das für einen Vliesträger, sind sie glatt ist es Papier.

Unsere Anleitung Wie entferne ich alte Tapeten zeigt Ihnen für jede Trägervariante, wie Sie professionell, mit guter Laune und minimalem Aufwand den Untergrund freilegen.

Die echte Makulaturtapete - Drübertapezieren ausdrücklich erwünscht

Sanierung und Renovierung bringen die Wandgestaltungssünden der Vergangenheit an das helle Tageslicht. Angefangen bei dicken Farb- und Lackschichten über hartnäckige Nikotinbeläge und Verfärbungen, die selbst vor dem Untergrund nicht Halt machen, bis hin zu gesundheitlich bedenklichem Schimmel, der sich über Jahre unbemerkt in die Substanz bohrt. Nicht zu vergessen die kleineren Bausünden, wie Buckel oder Erhebungen und der ganz normale Verschleiß mit Rissen jeder Couleur. Solche Wände zu bearbeiten ist eine Mammutaufgabe, aber unerlässlich, wenn ein angenehmer, gesunder und schicker Wohnraum entstehen soll. Doch selbst bei bestem Bemühen und jeder Maßnahme, die erforderlich ist, gelingt es nicht immer, die Sünden der Vergangenheit vollständig zu beseitigen.

Makulaturtapete-tapezieren

Bei schwierigen Untergründen ist daher die echte Makulaturtapete das Mittel der Wahl, die frisch von der Rolle auf den zuvor behandelten „nackten Untergrund“ tapeziert wird. Darauf lässt sich dann problemlos die neue Design- oder Mustertapete anbringen. Makulaturtapete findet sich in den Ausführungen Makulaturpapier und Makulaturvlies und für extreme Problemwände als spaltbare Rollenmakulatur (Papier) oder Renoviervlies.

Unsere Anleitung Wie bereite ich den Tapezier-Untergrund vor begleitet Sie Schritt für Schritt auf dem Weg zum perfekten Untergrund. Auch die fachgerechte Makulaturtapete wird hier ausführlich erklärt.

Heute schon an morgen denken - Wenn wieder frischer Tapetenwind gefragt ist

Der Mensch lebt von Veränderung und daher ist ein Tapetenwechsel nicht nur dann angesagt, wenn die vorhandene Tapete stärkere Altersspuren aufweist, sondern auch, wenn sich der Lifestyle ändert oder weil einfach Lust darauf besteht. Vielleicht sieht man sich wider Erwarten doch schneller an Muster oder Motiv satt oder ein Wohnungsschaden macht das Neutapezieren erforderlich. Die bisherige Tapete muss runter. Tapeten mit Vliesträger sind hier klar die einfachste und sauberste Lösung.

Doch bei der Tapetenauswahl entscheidet nicht nur die einfachste Lösung, sondern viel mehr der persönliche Gefallen, weshalb es auch eine Design Tapete mit Papierträger zur Nassentfernung sein kann. Um sich das Abspachteln der Tapete und die erneute Behandlung des Untergrunds zu ersparen, empfiehlt sich die spaltbare Rollenmakulatur als Untertapete. Sie besteht aus zwei Papierschichten. Soll die Design Tapete später entfernt werden, lässt sie sich zusammen mit der obersten Papierschicht der Rollenmakulatur trocken abziehen, zurück bleibt die unterste Schicht, auf die im Idealfall neu tapeziert werden kann.