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Ein visuelles Feuerwerk - Wie Tapeten die Schaufenster erobern

Streifen, Blumen und Retromuster - wer aufmerksam durch die Straßen geht, entdeckt immer öfter Tapeten in den Schaufenstern. Was in der Inneneinrichtung bereits Trend ist, nimmt in den Vitrinen der Luxuskaufhäuser und Boutiquen gerade seinen Anfang. Mit auffälligen und extravagant gemusterten Tapeten im Schaufenster kann man große Aufmerksamkeit mit kleinem Einsatz erzielen. Und gerade im digitalen Zeitalter, in dem man täglich mit über tausend Werbebotschaften am Tag konfrontiert wird, ist Aufmerksamkeit ein hohes Gut. Deshalb geht der Trend eindeutig zu einer aufwendigeren und opulenteren Schaufenstergestaltung. Man könnte meinen es gelte das Motto: „Nicht kleckern, sondern klotzen.“

In den Vitrinen der Luxuslabels werden keine Waren mehr präsentiert, sondern Einzelstücke künstlerisch und kreativ inszeniert. Das Schaufenster wird zur Bühne für Kunst und Geschichten. Mit diesen Geschichten erzeugen die Marken nicht nur Aufmerksamkeit, sondern schaffen es auch den Kunden in ihre Welt zu entführen und ihn emotional zu berühren.

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Etro - London, Quelle: Mavis

Genügend Aufmerksamkeit erreicht man garantiert mit einem Tapeten-Komplettlook, wie er dieses Frühjahr bei Etro in London zu sehen war. Eine grüne Tapete mit schwarzem Blättermuster ziert nicht nur Wände, sondern auch den Boden und die Decke. Der Betrachter erlebt ein visuelles Feuerwerk und wird in einen tropischen Regenwald entführt. Ein Statement, das garantiert die Blicke der Passanten auf sich zieht und Lust darauf macht, die Markenwelt im Geschäft zu entdecken.

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Gucci - New York, Quelle: Mavis

Auch bei Gucci in New York wird nicht gekleckert. Die neueste Kollektion, mit Blumenmuster auf schwarzem Grund, wird vor einer Tapete im gleichen Muster in Übergröße präsentiert. Die großflächige Blumentapete reicht von der Rückwand über den Boden und tritt sogar in die dritte Dimension ein. Blüten aus Kunststoff ragen plastisch in den Raum. Die Mannequins scheinen mit dem Hintergrund zu verschmelzen und der Betrachter wird mitgenommen in eine surreale Modewelt.

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Diane von Furstenberg - New York, Quelle: Mavis

Mit der Vergrößerung oder Wiederholung von Mustern kann man sehr einfach visuelle Statements setzen. Ob floral gemusterte Kleider vor einer Blumentapete oder ein gestreifter Anzug vor einer Streifentapete. Klarer kann man Modethemen nicht hervorheben.

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Matsuya - Tokyo, Quelle: Mavis

Erst floral, dann gepunktet und später gestreift, die Dekoration muss sich immer wieder an die wechselnden Kollektionen anpassen und sich jede Saison neu erfinden. Genau hier ist der Einsatz von Tapeten von Vorteil, denn mit einem Tapetenwechsel kann man schnell und einfach den Look verändern. Die unzählige Vielfalt an Mustern und Motiven macht die Tapete zum idealen Partner für die Inszenierung im Schaufenster.

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Louis Vuitton - London, Quelle: Mavis

Tapete kann experimentell sein, wie die überschwängliche Collage aus Accessoires und Kosmetikartikeln im Schaufenster von Louis Vuitton.Sie kann aber auch nostalgisch sein, wie die 70er-Jahre-Tapete bei Dolce&Gabbana. Tapete weckt Erinnerungen. Beim Anblick des Retromusters denkt man sofort an das Wohnzimmer der Großeltern oder an Szenen aus bekannten Filmen. Tapete kommuniziert und ist das ideale Medium um Kunden auf emotionaler Ebene zu erreichen und Lust auf mehr zu machen.

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Dolce & Gabbana - Milano, Quelle: Mavis

„Es geht wieder hin zum Muster“

Ein Interview mit dem selbstständigen Dekorateur Peter Rank, der in München für exklusive Modeboutiquen und Kunden wie die Porzellan Manufaktur Nymphenburg, Tiffany & Co. sowie Cada arbeitet.

Herr Rank, welchen Trend sehen Sie zur Zeit in der Schaufenstergestaltung?
Einen direkten Trend sehe ich eigentlich nicht. Eine Zeitlang waren nur große Fotos in den Schaufenstern, das Thema klingt gerade zum Glück wieder ab. Es geht jetzt mehr hin zum Muster, deswegen kommen auch Tapeten wieder ganz gut ins Bild. Aber dass sich jemand Gedanken macht, etwas Witziges dekoriert, sieht man leider nur sehr selten, da natürlich auch der finanzielle Aufwand größer ist. Ich hoffe, dass der Trend wieder zurück zur individuellen Dekoration geht, da die Schaufenster der großen Brands in jeder Stadt gleich aussehen. Da macht es für mich auch keinen Sinn mehr zu reisen, um überall das Gleiche zu sehen.

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Prada - New York, Quelle: Mavis

Setzen Sie Tapeten bei Ihrer Deko ein und haben Sie eine Lieblingstapete?
Tapeten habe ich schon oft eingesetzt. Der Vorteil dabei ist, dass man einen Mustermix kreieren kann. Es lässt sich auch schnell damit gestalten, da man die Motive nicht erst malen muss. Ich benutze ziemlich oft Tapeten von drei bis vier Firmen, darunter auch die Wolkentapete von Fornasetti, die bei den Kunden sehr gut ankam. Ansonsten gerne auch eine Tapete mit Bücherstapeln, da man mit ihr einen lebendigen Hintergrund hat und man von der Tapete etwas in die übrige Gestaltung aufnehmen kann. Oder auch Krawattenmuster, denn grafische Designs passen immer gut zur Mode.

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Wohnen Sie selbst auch mit Tapeten?
Wohnen nicht, aber in meinem Showroom habe ich eine Tapete. Ein gestreiftes Modell mit einer Samt- und Leinenoptik, welches ich quer verarbeitet habe, das kommt ganz gut rüber. Bei Inneneinrichtungsprojekten verwende ich ziemlich oft Tapeten, die dann in Verbindung mit Stoffen eine Einheit ergeben.

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Fenwick - London, Quelle: Mavis