Tapezierwerkzeuge im Detail: Nagelroller, Stachelwalze, Tapetenigel

Der Nagelroller, auch unter den Bezeichnungen Nagelwalze, Stachelwalze, Igelwalze oder Tapetenigel bekannt, ist ein typisches praktisches Hilfswerkzeug, um Papiertapeten zu entfernen. Er wird im Zusammenspiel bzw. vor der Anwendung des Tapetenspatels genutzt, damit die Seifenlauge die Tapetenschichten leichter durchdringen kann und sich somit die Entfernung leichter gestaltet. Auch bei überstrichenen oder versiegelten Tapeten lässt sich durch den Nagelroller ein besserer Zugang zum Untergrund schaffen.

Exkurs: Entfernen von Papiertapeten

Papiertapeten sind in Bezug auf die spätere Entfernung in die Ausführungen „nass zu entfernen“ und „spaltbar trocken abziehbar“ eingeteilt. Spaltbar trocken abziehbar bedeutet, dass die oberste Tapetenschicht (Dekorschicht) einfach und ohne weiteres Zutun meist in einem Stück von der Wand abgezogen werden kann, während die untere Schicht an der Wand verbleibt. Diese muss dann durch Aufweichen und Abschaben entfernt werden oder kann je nach Zustand auch als Makulatur an der Wand bleiben.

Die Entfernung mittels Anfeuchten, Einweichen und Abschaben stellt bei ausschließlich nass zu entfernenden Tapeten bzw. einer Makulaturschicht mit hartnäckigem Kleisterverbund (z.B. durch stark saugende Untergründe) eine Sisyphusarbeit dar, an der Heimwerker und Tapezierfreunde gerne mal verzweifeln. Genau dafür bietet sich der Nagelroller oder die Igelwalze an, denn dieses Werkzeug sorgt durch Perforation der Oberfläche dafür, dass Seifenlauge oder Tapetenablöser schon während des Auftragens die feste Schicht besser durchdringen können und den Kleister anlösen.

Der Nagelroller und seine handelsüblichen Ausführungen

Im Malerfachbedarf und in Baumärkten sowie auf Online-Marktplätzen ist der Nagelroller in den zwei Ausführungen Nagelroller gerade und Nagelroller V-Form erhältlich. Die Differenzierung bezieht sich auf die konkrete Walzenausführung.

Der Nagelroller gerade besteht aus einer Kunststoff- oder Messingwalze mit rundum aufgesetzten Stahlnägeln, einem rostfreien Stielhalter und dem eigentlichen Stiel (Griff), der aus Holz oder Kunststoff gefertigt ist. Damit sich mit der Igelwalze die gesamte Wandhöhe zur Perforierung erreichen lässt, zeigt sich der Walzenstiel extra länger. Unterschieden werden kann hier wiederum in Holzstiele mit einer Länge von bis zu 50 cm und Kunststoffgriffe mit ausziehbarer Teleskopverlängerung, bei denen die Länge bedarfsgerecht und variabel von etwa 50 bis 100 cm eingestellt werden kann.

Tapeten-Stachelwalze

Die Breite der Walze liegt zwischen 15 und 20 cm. Die Walze kann je nach Anbieter/Hersteller farblich unterschiedlich gestaltet sein, beliebt sind die Farben Schwarz, Grau, Gelb, Rot und Blau. Die Preise für den Nagelroller gerade zeigen sich mit großen Unterschieden, je nach Walzenmaterial und Stiel-Ausführung, zwischen 10 und 70 Euro.

Der Nagelroller in V-Form ist standardmäßig mit einem Holzgriff ausgestattet, an dessen unterem Ende sich eine verzinkte Haltekonstruktion befindet, von der zu beiden Seiten schräg angewinkelt (V-Form) Stachelwalzen aus Messing angebracht sind. Diese messen jeweils 7,5 cm. Preislich liegen diese Tapetenigel höher als die geraden Nagelroller, zwischen 60 und 90 Euro sind für dieses Werkzeug einzukalkulieren. Es gibt neuere Modelle auch in Alu- bzw. Kunststoff-Ausführung.

Tapetenigel

Pauschale Empfehlungen gibt es für den Kauf nicht. Hier muss jeder selbst testen, mit welchem Modell er am besten zurechtkommt. Die V-Form Nagelrolle ist auch für schwer zugängliche Bereiche gedacht. Messingwalzen bieten eine sehr gute Widerstandskraft und zeigen eine lange Lebensdauer. Teleskopstiele können entsprechend der eigenen Körpergröße und den zu behandelnden Stellen ausgezogen werden, was den Komfort deutlich erhöht und das Hantieren auf Leitern überflüssig machen kann.

Die Verbindungselemente zwischen Stiel und Walzen sollten definitiv stabil und sicher sein. Denn nichts macht weniger Spaß, als wenn der Stiel wackelt oder sich öfters aus seiner Halterung löst.

Anwendung der Igelwalze

Die Igelwalze wird auf der trockenen Tapete angewandt. Sie ist flach anzusetzen und in zügigen Rollbewegungen über die Fläche zu führen. Dabei bietet sich auch eine Arbeitsweise bahnenweise, zunächst waagerecht, dann senkrecht und diagonal an. Der Druck sollte nicht zu groß sein, da es sich um Stahlspitzen handelt, die auch auf dem Untergrund löchrige Spuren hinterlassen können. Im Anschluss wird eine Mischung aus warmem Wasser und Spülmittel oder warmem Wasser und handelsüblichem Tapetenablöser mittels Sprühflasche, Rolle oder Bürste satt aufgetragen. Nach einer Einweichzeit von 10 bis 20 Minuten kann dann mit dem Abschaberspatel die Tapete gelöst werden. Der Spatel sollte an der Nahtstelle angesetzt werden.

Generell sollte der Raum bei solchen Arbeiten nicht überheizt sein, sonst trocknet die Tapete zu schnell wieder auf. Wie für jedes Werkzeug, empfiehlt sich nach der Anwendung die Reinigung, die sich bei der Nagelrolle auf die Stahlspitzen und die Walze(n) bezieht.

 
 

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