Was tun, wenn die Musterübergänge der Tapetenbahnen nicht passen?

Mustertapeten zu tapezieren ist gar nicht so schwer; es erfordert natürlich ein wenig Geduld und Fingerfertigkeit und es sind verschiedene Punkte zu beachten. Wie Sie eine Mustertapete Schritt für Schritt zuschneiden, unter Beachtung von Rapport und Versatz, erfahren Sie ausführlich in unserer Anleitung Wie schneide ich eine Tapete zu.

Doch nicht nur der richtige Zuschnitt ist für akkurate Musterübergänge wichtig, auch das Einkleistern und die Weichzeiten haben große Einwirkung auf ein stimmiges, perfektes Musterbild. Wie Sie je nach Tapetenmaterial (also Papier oder Vlies) vorgehen, zeigen diese detaillierten Anleitungen.

Was aber tun, wenn die Mustergänge doch einmal nicht passen? Das ist besonders ärgerlich, wenn bereits eine ganze Wand tapeziert ist und augenscheinlich keine Fehler gemacht wurden. Beim Zuschnitt war die Welt noch in Ordnung! Oder doch nicht?

Nun, wir beleuchten dieses Thema, da uns immer wieder Kundenanfragen dazu erreichen und dabei die Frage auftaucht, ob es nicht an der Tapete selbst bzw. an einem fehlerhaften Druck liegt. Hierzu können wir definitiv sagen: in 99,99% aller Fälle ist dem nicht so, sondern es handelt sich mitunter auch um ganz banale Ursachen, die jedoch im Eifer des Tapeziergefechts schon einmal untergehen. Daher haben wir hier die häufigsten Problemstellungen und Lösungstipps für Sie zusammengestellt:

Musterübergänge stimmen bei Ausmaß und Zuschnitt nicht überein
Die Musterübergänge wollen sich beim Ausmessen partout nicht miteinander vertragen oder nach dem Zuschnitt zeigen sich doch Differenzen? Dann prüfen Sie noch einmal die Rapportangaben und den Versatz sowie die einzurechnenden Überstände (s. Anleitung). In der Regel finden sich hier die Ursachen schnell. Sollte das aber nicht der Fall sein und Sie sind der Meinung, dass es an der Tapete liegt, dann kontaktieren Sie uns, damit wir das abklären können, denn dazu sind wir da. So lassen sich auch Ursachen aufdecken, an die man selbst vielleicht nicht denkt.

Tapetenmuster-passt-nicht

Unsere Tipps für einen fehlerfreien Zuschnitt:
- Um die Musterübergänge von zwei Bahnen akkurat abzustimmen, breiten Sie eine zugeschnittene Bahn idealerweise auf dem Boden aus und legen nun die Tapetenrolle daneben, um die nächste Bahn mustergerecht abzumessen. Nummerieren Sie sich die Bahnen auf der Rückseite am oberen Ende mit einem Bleistift, damit Sie nicht durcheinander kommen, und versehen Sie diese evtl. mit weiteren kurzen Stichworten, die Ihnen Orientierung geben, z.B. 1 – Ansatz Fenster links.

- Die erste Bahn ist immer die Wichtigste. Unterlaufen hier bei Ausmaß und Zuschnitt schon Fehler, ziehen sich diese natürlich wie ein roter Faden durch alle Bahnen. Wie Sie diese Fehler vermeiden, erfahren Sie in der Anleitung Wie schneide ich eine Tapete zu/Musteranfang festlegen.

- Vergleichen Sie nicht Äpfel mit Birnen - wenn Sie z.B. eine Bahn geklebt haben und nun mit dem „Augenmaß“ den Musterübergang für die nächste an der bereits geklebten Bahn festlegen möchten, in dem Sie die trockene Tapete daran halten, wird das Muster garantiert nicht passen. Durch das Einkleistern dehnt sich die Tapete je nach Trägermaterial unterschiedlich aus und zieht sich erst wieder während des Trocknungsvorgangs zusammen. Daher werden solche „Maßnahmen“ in der Regel immer fehlerhaft sein. Passen Sie Tapetenbahnen immer vor dem Tapezieren in trockenem Zustand an, indem Sie wie oben beschrieben vorgehen.

Zuschnitt passt - Übergänge haben sich nach dem Tapezieren verschoben
Wenn sich die Übergänge nach dem Tapezieren und Trocknen der Tapete an der Wand verschoben haben, dann hat das meist folgende Ursachen:

- Falscher Kleister, unterschiedliche Sorten und Marken, alter Kleister, angebrochene Packungen, Fehler beim Anrühren (Mengenverhältnis, Quellzeit)
- Unterschiedliche Weichzeiten bei den einzelnen Bahnen der Papiertapete
- Bei Vliestapeten wurden die Bahnen eingekleistert anstelle der Wand
- Zu schnelle Trocknung, zu warmes Raumklima, Zugluft, Unterschiede bei der Trocknung verschiedener Bahnen (einmal kalter Raum, einmal überhitzter Raum)

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So können Sie diese Fehler vermeiden:
- Verwenden Sie für Ihr Tapeziervorhaben immer den richtigen Kleister entsprechend den Anforderungen (auf dem Tapeteneinleger genau angegeben) und kaufen Sie eine ausreichende Menge (besser noch eine Packung mehr) von derselben Sorte und Marke. Selbst wenn es sich zwar von der Art her um den gleichen Kleister handelt, können sich bei den Marken Unterschiede in der Zusammensetzung und Klebkraft zeigen, die sich im Nachhinein ungünstig auf die Musterübergänge auswirken. Greifen Sie nicht auf andere Packungen zurück, nur weil die noch vom letzten Mal übrig geblieben sind und Sie Zeit und Wegeaufwand sparen möchten. Verwenden Sie keine länger gelagerten angebrochenen Packungen oder fertig angerührten Reste von einem anderen Projekt. Wenn Sie eine neue Portion Kleister anrühren müssen, achten Sie auf den gleichen Ansatz und die gleiche Quellzeit wie beim verbrauchten Kleister.

- Halten Sie bei Papiertapeten unbedingt die Weichzeiten für jede Bahn korrekt ein, um Dehnungsdifferenzen zu vermeiden.

- Kleistern Sie bei Vliestapeten wie empfohlen immer die Wand und nicht die Bahnen ein, denn darauf sind diese Tapeten ausgelegt. Ansonsten kann es selbst beim dimensionsstabilen Vlies zu mechanischer Dehnung kommen, die den Musterübergang beeinflusst. Denn eingekleisterte Bahnen haben ein hohes Gewicht. Während man den oberen Teil der Tapetenbahn an die Wand klebt, könnte sich der untere Bereich wegen des Gewichts dehnen, was zur Folge hat, dass unten der Musteransatz nicht mehr passt. Wenn Sie einen Tapezier-Profi beauftragen sollten, achten Sie bitte darauf, dass er keine Kleistermaschine für Ihre Vliestapete benutzt. Denn diese bringt den Kleister immer auf die Rückseite der Bahn auf, wovon wir Ihnen wie oben beschrieben abraten.

- Wenn Sie Vinyltapeten verwenden und zur besseren Haltbarkeit dem Kleister Dispersionskleber beimischen, achten Sie auf das richtige Mischungsverhältnis, insbesondere, wenn Sie neuen Kleister anrühren müssen.

- Achten Sie auf eine gleichmäßige Trocknung aller Bahnen, d.h. vermeiden Sie große Temperaturschwankungen während des Trocknungsvorgangs. Beispiel: Sie tapezieren an einem Tag zwei Bahnen, die Raumtemperatur liegt bei 25 Grad, am nächsten Tag machen Sie weiter und die Raumtemperatur ist auf 15 Grad abgesunken. Eine generell zu schnelle Trocknung, auch durch Einfluss von Durchzug, wirkt sich ungünstig auf die Musterübergänge aus.

Tapetenuebergang-Probleme

Besonderer Tipp: Wenn Sie zwei Bahnen angebracht haben, machen Sie erst mal eine Pause von einer halben Stunde und prüfen Sie danach, wie sich die Bahnen an der Wand „entwickelt“ haben und ob die Musterübergänge noch passen. Ist das nicht der Fall, sollten Sie die genannten Fehlerquellen noch einmal überprüfen. Wenn Sie dann eine Bahn wieder erneuern müssen, ist das nicht so tragisch, als wenn Sie die ganze Wand neu tapezieren müssten, weil vorne und hinten gar nichts stimmt.

Wenn Sie eine Malerfirma mit dem Tapezieren beauftragen…
Nicht immer kann und will man selbst Mustertapeten an die Wand bringen und beauftragt daher eine Fachfirma mit der Aufgabe, denn die wissen ja was sie tun und da kann schon nichts schiefgehen. Dennoch sollten Sie als Auftraggeber die Verantwortung nicht ganz aus der Hand geben, denn Fehler passieren, auch den Versierten. Daher unser Rat: Sprechen Sie die Vorgehensweise mit dem Malermeister bzw. den ausführenden Mitarbeitern durch und weisen Sie darauf hin, dass Sie bei der Verarbeitung von Vliestapeten ausschließlich das Einkleistern der Wand und nicht der Bahnen wünschen. Sie dürfen auch im Vorfeld ausdrücklich betonen, dass Sie großen Wert auf die Genauigkeit der Musterübergänge legen. Bleiben Sie als Ansprechpartner anwesend und prüfen Sie den Arbeitsfortschritt, denn so können Probleme bereits frühzeitig erkannt und gebannt werden.

Noch ein wichtiges Wort zu drucktechnischen Abweichungen
Wie bereits erwähnt sind drucktechnisch bedingte Differenzen, die auch den Musteransatz betreffen, sehr selten. In erster Linie kann das bei Tapetenrollen aus unterschiedlichen Produktionseinheiten (Charge) vorkommen. Jede Tapetenrolle verfügt über eine Anfertigungsnummer. Sind die Nummern identisch, stammen alle Tapetenrollen aus der gleichen Produktion. Aber auch Tapetenhersteller sind stetig am Verbessern und Verändern, so dass sich bei nachfolgenden Produktionen durchaus geringfügige Differenzen im Druck- und Farbbild zeigen können. Das hat natürlich auch Einfluss auf den Musteransatz. Wer Tapeten in unserem Shop bestellt, erhält in der Regel immer die Anzahl der benötigten Rollen aus der gleichen Produktion mit der gleichen Anfertigungsnummer.

Wird jedoch später nachbestellt, kann es durchaus vorkommen, dass sich in unserem Bestand bereits Rollen neuer Produktionseinheiten befinden, da wir ständig und regelmäßig unser Sortiment bedarfsgerecht auffüllen. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist daher bei Nachbestellungen die Anfertigungsnummer. Teilen Sie uns diese bitte mit (Sie finden die Nummer auf dem Etikett der Rollen) und wir informieren Sie umgehend, ob eine Nachbestellung aus dieser Produktionseinheit beim Hersteller noch möglich ist. Wir empfehlen diese Vorgehensweise generell bei Nachbestellungen, da es beim Mischen von Rollen verschiedener Produktionseinheiten durch die geringfügigen drucktechnischen Abweichungen zu keinem einheitlichen Erscheinungsbild kommt, was das sensible Auge stört.

Unser Tipp: Ein späterer Bedarf an weiteren Tapetenrollen ist immer mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor verbunden, da nie genau zu sagen ist, ob beim Hersteller noch Rollen aus der spezifischen Produktionseinheit verfügbar sind. Daher raten wir: Planen Sie vor Ihrem Projekt den Bedarf möglichst genau - und wenn Sie sich nicht sicher sind, ob es doch eine Wand mehr sein soll, die von der schicken Mustertapete verwöhnt wird, versuchen Sie dennoch vor der Bestellung eine Entscheidung zu treffen. Gerne beraten wir Sie auch, wenn Sie bei der Planung nicht weiterkommen. Messen Sie den Raum immer mit dem Zollstock aus und nicht mit dem Auge im "Schätzverfahren". Nutzen Sie anschließend vor der Bestellung unseren Tapetenkalkulator im Shop (den finden Sie bei jeder Artikelbeschreibung direkt über dem Button „In den Warenkorb legen“) um die richtige Anzahl Tapetenrollen zu ermitteln. Das Ergebnis beinhaltet automatisch eine Reserve für etwaige Probleme während des Tapezierens.