Wie verbessern Retro-Tapeten das Leben der Menschen in Seniorenheimen?

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Manchmal ist auch Innenarchitektinnen zum Weinen zumute. Als ich in der Stadt an der verglasten Fassade eines Seniorenheims vorbei kam, fiel mir die resignierte Müdigkeit in den Gesichtern auf: Sie spiegelte die Kälte der kahlen Wände wider. Verletzte Seelen in einer Eiswüste. Wo das Leben in einer freundlichen Umgebung angenehm weitergehen sollte, haben ein Mangel an Individualismus und hygienische Notwendigkeiten viele Altenheime in leblose und freudlose Orte verwandelt. Dabei gibt es einige einfache Lösungen, die das Lebensumfeld älterer Menschen erheblich verbessern würden. Die Retro-Tapete ist eine davon: Sie weckt Erinnerungen an glückliche Zeiten, trägt zum Wohlbefinden der Bewohner bei, kann in fast jedem Raum - sei es in Gemeinschaftsräumen oder in Einzelzimmern - verwendet werden und bietet mit vielen Farben und Mustern eine große und relevante Auswahl. Die Ratschläge, die ich im Folgenden für die Dekoration von Einrichtungen für pflegebedürftige bzw. nicht pflegebedürftige Senioren geben werde, gelten auch für die eigenen Wohnungen älterer Menschen, für Wohngemeinschaften von älteren und sehr alten Menschen, für Mehrgenerationenmodelle usw.


Die Vorteile von Retro-Tapeten in Senioreneinrichtungen

Tapeten schaffen eine warme, sichere und familiäre Atmosphäre

Die Wände einfach mit Farbe zu streichen, ist oft die einfachste Lösung - die aber die individuellen Bedürfnisse der Bewohner nicht berücksichtigt. Im Gegensatz zur angstauslösenden Kälte eines Krankenhauses umgibt die Tapete den Bewohner mit einer beruhigenden familiären Atmosphäre: Mit ihrer Struktur und den bunten Mustern trägt sie zu einer gemütlichen und warmen Stimmung bei; indem sie die Räume behaglicher macht, schafft sie ein Gefühl der Sicherheit, das für ältere Menschen ebenso notwendig ist wie Freundlichkeit und gute Pflege. Die Qualität der Tapete kann auch dazu beitragen, die Akustik zu verbessern und so mehr Privatsphäre zu schaffen.

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Tapeten bringen die Natur in Seniorenheime

Viele ältere Menschen haben den größten Teil oder ihr gesamtes Leben in einer ländlichen Umgebung verbracht. Dennoch gibt es nur sehr wenige Einrichtungen, die sich eine auf natürliche Weise beruhigende, „grüne“ Gestaltung der Umgebung zunutze machen. Warum also nicht durch Tapeten mit botanischen Mustern die Natur ins Haus holen?

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Retro-Tapeten sind ein echter Beruhigungsspender!

Wer erinnert sich nicht gerne an schöne Momente aus der Vergangenheit? Da sie mit Erinnerungen verbunden sind, wirken Retro-Tapeten immer beruhigend: Sie erinnern an eine vertraute Atmosphäre oder Lebensphase, eine sichere Umgebung... Die liebevolle Umarmung der Großmutter! Der Vintage-Stil der 50er, 60er oder 70er Jahre ist besonders gut geeignet, um positive Energie zu vermitteln. Er beschwört die glücklichen Jahre nach dem Krieg und der sexuellen Befreiung herauf, erinnert die älteren Menschen an ihre Jugend und sorgt für Lebensfreude und Optimismus! Damit tragen Retro-Motive zur Gesundheit der Heimbewohner bei, indem sie psychische Belastungen und psychosomatische Störungen deutlich reduziert.

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Retro-Tapete weckt bei älteren Menschen Erinnerungen

"Diese Tapete sieht aus wie die in meinem Kinderzimmer..." Indem sie eine Umgebung schaffen, die der früher gewohnten ähnelt, stimulieren Retro-Tapeten das Erinnerungsvermögen und vermitteln ein Gefühl der Ruhe. Sie lockern die Monotonie auf und bringen die Menschen zum Träumen, regen die Fantasie an und fördern die Kreativität. Detaillierte Illustrationen und gleichmäßige Tapetenmuster fördern zudem die Konzentration und steigern die Beobachtungsgabe von Bewohnern mit kognitiven Störungen (häufig degenerative Erkrankungen wie Alzheimer). Tapetenmuster können sogar zur Sprachförderung eingesetzt werden, um mit Menschen mit Kommunikationsproblemen zu interagieren.

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Personalisierte Tapeten tragen zum Wohlbefinden der Bewohner bei

Viele Seniorenheime bieten ihren Bewohnern die Möglichkeit, eigene Möbel und Deko-Elemente mitzubringen. Warum sollte man nicht noch einen Schritt weiter gehen und es den Bewohnern ermöglichen, ihre Zimmer nach ihrem persönlichen Geschmack zu dekorieren und so ihre Interessen und ihre Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen? Tapeten können dabei helfen, Räume voneinander abzugrenzen und jedem Wohnraum eine eigene Note zu geben. Wandbilder in Tapetenform, die Ausschnitte aus der gewohnten Umgebung wiedergeben (der Blick aus dem Fenster, ein Wahrzeichen aus der alten Nachbarschaft, die ehemalige Haustür) können dazu beitragen, dass sich die Bewohner in ihrer neuen Umgebung mehr zu Hause fühlen. Da es nur selten möglich ist, die Bettwäsche individuell zu gestalten, wäre es für Seniorenheime (und nicht nur für die gehobenen) von Vorteil, wenn die Gäste ihre Tapeten selbst auswählen könnten. Die verhältnismäßig geringen Kosten dieses Zeichens der Rücksichtnahme auf die Bewohner würden sich für das Wohlbefinden aller, auch das des Personals, sicherlich lohnen!

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Die positiven Auswirkungen von Retro-Tapeten auf die Arbeit des Pflegepersonals

Der therapeutische Effekt der Umgebung auf die Bewohner wirkt sich auch positiv auf das Personal aus, das leider nur allzu oft überlastet ist. Wenn der ältere Mensch entspannt ist, kann das Pflegepersonal in einer ruhigeren Atmosphäre arbeiten. Die Arbeitsbedingungen verbessern sich dadurch erheblich.


Für welche Räume in Seniorenheimen ist Tapete geeignet?

Welche besonderen Vorschriften gelten für Seniorenheime?

Wie bei jeder öffentlich zugänglichen Einrichtung müssen Vorschriften in Bezug auf Sicherheit, Hygiene und die Art der Nutzung der Räume berücksichtigt werden. Altenheime unterliegen Brandschutznormen: In Europa wird die EU-Klassifizierung "B s1" (nicht oder schwer entflammbar) verwendet; außerhalb Europas hat jedes Land seine eigene Klassifizierung hinsichtlich des Brandschutzes. Aufgrund der Hygieneanforderungen für medizinische Einrichtungen und stark beanspruchte Räumlichkeiten sind widerstandsfähige waschbare oder hoch waschbare Tapeten häufig die bessere Wahl. Es liegt jedoch auf der Hand, dass die Aktivitäten einer älteren Person, die dauerhaft in einem Seniorenheim lebt, wahrscheinlich moderat sind und das Leben ein eher langsames Tempo hat - d.h. die Umgebung wird zum großen Teil vor Schäden bewahrt.

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Welche Gemeinschaftsräume können mit Tapeten dekoriert werden?

Tapeten helfen Bewohnern dabei, Gemeinschaftsräume von Durchgangsbereichen zu unterscheiden und die einzelnen Wohnräume und Etagen zu identifizieren. Für den Eingangsbereich oder Flur ist eine Panorama-Tapete geeignet, die sowohl den Bewohnern als auch den Besuchern das Gefühl gibt, willkommen zu sein. In den Fluren können Muster und Farben helfen, die Stockwerke zu identifizieren. Um die Tapete in diesen stark beanspruchten Bereichen zu schützen, sollte sie vorzugsweise über der Mittelleiste angebracht werden. Im Speisesaal schafft sie eine freundliche Stimmung und regt sogar den Appetit an. Im Lese-, Fernseh-, Spiel-, Musik-, Wohnzimmer schafft sie ein sicheres und warmes Wohngefühl. In Sport- und Bastelräumen trägt die Wanddekoration zur Motivation, Inspiration und Anregung der Sinne bei. Für das Kinderzimmer (falls ein solches mit dem Seniorenheim verbunden ist) eignen sich Kindertapeten, die von den meisten älteren Menschen geliebt werden, weil sie sie an ihre eigene Kindheit erinnern.

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Welche Wände können in den Privaträumen der Bewohner tapeziert werden?

Das eigene Wohn- und Schlafzimmer ist der Ort, an dem der ältere Mensch die meiste Zeit verbringt - sein Rückzugsort. Die Aufteilung ist fast immer die gleiche wie in einem Krankenhaus: die Tür gegenüber dem Fenster, das Badezimmer in der Ecke neben dem Eingang, Das Kopfteil des Bettes an einer Seitenwand, der Fernseher an der anderen. In einigen Einrichtungen werden Tapeten verwendet, um die Zimmer zu beleben und zu personalisieren (meist nur an einer Wand). Die übliche Position für eine Akzentwand (hinter dem Bett) erscheint jedoch nicht angemessen: die Tapete kann von bettlägerigen Personen nicht gesehen werden und Beschädigungen sind unvermeidlich (durch das Bett, den Nachttisch oder medizinische Geräte, die gegen die Wand stoßen). Wenn die dem Bett gegenüberliegende Wand tapeziert wird, kann der Bewohner sie richtig genießen - und der Fernseher fällt weniger auf. Eine andere Möglichkeit wäre, eine Ecke des Zimmers zu tapezieren, um einen gemütlichen Bereich zu schaffen (z. B. hinter einem Tisch oder einem Sessel).

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Wie wählt man Retro-Tapetenmuster und -farben für eine Seniorenresidenz aus?

Wählen Sie eine Retro-Tapete, die die Augen älterer Menschen schont

Wir neigen dazu, diese Tatsache zu ignorieren: Die Sehkraft lässt im Alter nach. Ältere Menschen können sogar an Sehbehinderungen leiden. Es ist wichtig, dass die Wanddekoration die Sehkraft fördert, ohne die Augen zu überbeanspruchen. Dabei geht es darum, das richtige Gleichgewicht zu finden! Daher sollte alles vermieden werden, was die Augen zu sehr belastet: geometrische Muster mit optischen Effekten, XXL-Muster, grelle Farben (Vorsicht bei exzentrischen 70er-Jahre-Motiven!). Auch Farben, die einen "schlechten Teint" hervorrufen, sind zu vermeiden (Anisgrün, Dottergelb, Lachsrosa). Um Formen hervorzuheben und Farben zu betonen, sollten Kontraste geschaffen werden, indem pastellfarbene Tapeten mit kräftigeren Farben oder dunkle Tapeten mit weißen Tür-/Fensterrahmen kombiniert werden.

Wählen Sie eine Retro-Tapete, die die psychische Gesundheit älterer Menschen unterstützt

Die Wahl der Tapete sollte darauf abzielen, die Entspannung der Bewohner zu fördern. Da Seniorenheime oft zu Verwirrung neigende Bewohner beherbergen, ist alles zu vermeiden, was Desorientierung oder Angst auslösen kann: spezielle Effektmaterialien, "gruselige" Motive oder Formen, die als beängstigend empfunden werden können. Die Tapete muss beruhigend und nicht verwirrend sein. Suchen Sie daher nach Retro-Motiven, die glückliche Erinnerungen wachrufen, ohne Nostalgie auszulösen, und die die Gedanken schweifen lassen, ohne Bedauern hervorzurufen. Auch hier geht es darum, das richtige Gleichgewicht zu finden! Die Monotonie von Streifen kann langweilig oder traurig sein... und Kokospalmen könnten Enttäuschung über die verlorenen Träume der Vergangenheit auslösen... Gehen wir doch einfach in einen blühenden Wald!

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Auswahl einer Retro-Tapete für Gemeinschaftsräume

In Räumen, in denen sich die Bewohner zu verschiedenen Tageszeiten treffen, sollte die Wanddekoration auf möglichst viele Menschen ansprechend wirken. Die einfachste Variante ist die Wahl einer schlichten Tapete. Doch das umfangreichen Angebot von Retro-Tapeten bietet zahllose stilvolle und warme Modelle, die fast jedem gefallen. Für Speiseräume und Flure sind helle Töne, die den Appetit anregen und für mehr Helligkeit sorgen, eine ausgezeichnete Wahl. Auch frische Frühlingstapeten (z. B. bunte Blumen auf weißem Grund) oder Modelle im Landhausstil eignen sich hervorragend. In Aufenthaltsräumen schaffen dunklere Farbtöne eine gemütlichere Atmosphäre. Einige klassische Muster aus der Vergangenheit sind nach wie vor sehr beliebt, wie z.B. das zeitlose Toile de Jouy oder die berühmten dekorativen Muster von William Morris, einem Pionier des Jugendstils.

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Auswahl von Retro-Tapeten für die Schlafzimmer der Bewohner

Im Gegensatz zu den Gemeinschaftsräumen eignen sich die Schlaf- bzw. Privatzimmer besser für fantasievollere Tapetenmuster. Die Devise lautet jedoch immer "Originalität ohne Exzentrik", d. h. es sollen Modelle ausgewählt werden, die für eine Vielzahl von Menschen geeignet sind (eine vollständige oder teilweise Personalisierung ist nur für sehr wenige Einrichtungen relevant). Das Seniorenheim könnte beispielsweise vier oder fünf verschiedene Tapeten für die Schlafzimmer wählen, oder vielleicht ein eigenes individuelles Dekor für jedes Zimmer? Möglicherweise stellt sich auch die Frage nach dem "Tapetengenre"? Um eine sehr sanfte, zeitlose Stimmung zu schaffen gibt es eine große Auswahl an bezaubernden Tapeten, die alte Modelle nachbilden, z.T. etwas „verblasst“ (d.h. mit gedämpften oder pastellfarbenen Tönen), so wie man sie in alten Familienhäusern finden kann. Für einen lebendigeren Stil kann man zahllose Tapetenmotive aus den Jahrzehnten finden, in denen die Bewohner der Seniorenresidenz jünger waren, z. B. die trendigen 60er, 70er, 80er Jahre... Außerdem steht eine Fülle von Farbvarianten zur Verfügung.

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Es gibt keine bessere therapeutische Unterstützung, um älteren Menschen den Lebensabend zu versüßen, als ein gemütliches und harmonisches Wohnumfeld.


Über die Verfasserin: Laure Mestre, À TOUS LES ÉTAGES (AUF JEDEM STOCKWERK)

Laure Mestre, die ursprünglich Wirtschaft und Gesellschaftsgeschichte studierte, gründete ihr Büro für Innenarchitektur und Architekturberatung "À tous les étages" in der Region Paris (Frankreich). In ihrer Arbeit mit Privatpersonen und Gemeinden bemüht sie sich, funktionale Räume mit Harmonie, Zweckmäßigkeit und Schönheit in Einklang zu bringen. Da jede Unterkunft dazu da ist, Menschen zu beherbergen, steht der menschliche Faktor bei all ihren Projekten im Mittelpunkt.

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