Tapezierwerkzeuge im Detail: Der Tapezierspachtel

Tapezier-Spachtel

Der Tapezierspachtel, auch Tapetenspachtel oder Andrückspachtel, dient zum Andrücken und Glattstreichen von Tapeten und bietet sich als Alternative zu Tapezierrolle oder Tapetenbürste an. Zudem erfüllt er auch seine Funktion als Beschneidekante, z.B. für Überstände der Tapete an der Fußleiste. Geeignet ist dieses Werkzeug aus Kunststoff zum Glattstreichen für robuste, dickere und widerstandsfähige Tapeten, die keine empfindliche Oberfläche oder sensible Prägung vorweisen.

Abgrenzung zum Malerspachtel

Der Malerspachtel ist ein wertvolles Hilfsmittel zur Entfernung von alten Tapeten. Er findet sich in verschiedenen Ausführungen, manuell und elektrisch. Seine Anwendung unterscheidet sich ebenso wie die Optik grundlegend vom Tapezierspachtel.

Tapezierspachtel Ausführungen

Die klassische Ausführung ist der rechteckige Tapezierspachtel aus Kunststoff, der in verschiedenen Farben und Größen erhältlich ist. Ein ideales Mittelmaß für den Heimwerker bietet sich mit einem Tapezierspachtel, der eine Länge von 24 cm und eine Breite von 12 cm aufweist.

Tapezierspachtel-rechteckig

Die Stärke des Werkzeugs ist bewusst auf wenige Millimeter begrenzt, damit ein leichtes Glattstreichen möglich ist. Die Ecken sind abgerundet, um Beschädigungen beim Ansetzen zu vermeiden. Die Griffseite zeigt sich steifer und verdickter als die flexible gegenüberliegende Andrückseite und verfügt meist über einen Schlitz zum Führen der Schneidklinge. Über dem Klingenschlitz kann zusätzlich ein Aufhängeloch ausgespart sein.

Daneben finden sich weitere Ausführungen aus Kunststoff, die sich hinsichtlich der Form und der Anzahl der Andrückkanten unterscheiden. Der trapezförmige Tapezierspachtel erlaubt eine leichtgängige Flächenbehandlung. Einige Modelle verfügen über eine Griffmulde und eine breite pfeilähnliche Spitze an einer Kantenseite, die das Andrücken in Ecken, hinter Fußleisten und an oberen Wandabschlüssen erleichtert. Damit kann auch in Rundungen gearbeitet werden.

Tapezierspachtel-trapezfoermig

Der Tapezierspachtel in Dreiecksform besitzt drei unterschiedlich lange flexible Andrückkanten und zeigt eine gängige Größe von 28 x 17 cm. Mit ihm lassen sich viele verschiedene sowie schwer zugängliche Bereiche bearbeiten (z.B. Vertiefungen, Winkel, Rundungen). Diese Modelle sind für geübte Tapezierer gerade bei schweren Tapeten eine große Hilfe.

Tapezierspachtel-dreieckig

Eine Variante zeigt sich mit dem Tapezierspachtel, der sich aus einem abgeschrägten Hart-PVC-Blatt (2 mm) und einem Holzheft (Griffteil) zusammensetzt. Blatt und Griff können miteinander fest vernietet sein oder es besteht eine Schraubverbindung, die das Auswechseln des Kunststoffblattes ermöglicht. Dieses Werkzeug liegt sehr angenehm in der Hand und ist für den Laien gut und sicher zu führen. Allerdings ist das Kunststoffblatt komplett steif und somit gewöhnungsbedürftiger als bei den anderen Modellen. Auch hier sind verschiedene Größen erhältlich.

Tapezierspachtel-Holzgriff

Die Preise für den Tapezierspachtel richten sich nach der konkreten Ausführung und bewegen sich zwischen 2 und 15 Euro. Auch die Qualität und Verarbeitung hat ein Wörtchen mitzureden. Oftmals finden sich Bezeichnungen wie Kunststoff flexibel oder halbflexibel, die sich auf die Elastizität, Biegsamkeit oder Nachgiebigkeit des Materials beziehen. Grundsätzlich muss der Kunststoff bruchsicher sein. Wer das richtige Modell für sich finden möchte, lässt sich am besten im Fachhandel oder Baumarkt vor Ort beraten und testet die Modelle in Bezug auf Handling und Qualität.

Multifunktionale Anwendungsmöglichkeiten

Der Tapezierspachtel ist ein multifunktionales Werkzeug, dessen Anschaffung in einer einfachen Ausführung in keinem Haushalt fehlen sollte. Zu beachten sind lediglich beim Glattstreichen die Stärke und Oberflächenbeschaffenheit der Tapete, denn nicht auf allen Tapeten ist der Tapezierspachtel in dieser Hinsicht das Mittel der ersten Wahl. Nun aber der Reihe nach:

1) Andrücken der Tapete

Mit dem Tapezierspachtel kann die Bahn beim Anbringen punktuell an der Wand festgedrückt werden, um sie dann in Ruhe auszurichten und glattzustreichen. Die Andrückkante sorgt zudem für eine akkurate Einpassung in Ecken, Nischen und an Kanten. Üben Sie hier immer nur so viel Druck wie nötig aus.

2 ) Glattstreichen der Tapete

Das Prinzip ist das Gleiche wie mit Tapezierbürste oder Tapezierrolle. Die Bahn wird abschnittsweise von oben nach unten sowie von der Mitte zu den Seitenrändern hin glattgestrichen, um etwaige Blasen oder Falten zu entfernen und damit sich die Tapete mit dem Untergrund optimal verbindet. Bei größeren Blasen und Falten ist das partielle Aufziehen der Tapetenbahn angeraten, bevor erneut glattgestrichen wird.

Das Arbeitsgefühl mit dem Tapezierspachtel ist anders als das mit Bürste oder Rolle. Führen Sie den Spachtel locker aus dem Handgelenk in zügigen Bewegungen und mit wenig Druck flächig über die Tapete. Stellen Sie sich vor, Sie wollten einen Teig auf dem Backblech glattstreichen, dann gelingt die richtige Bewegung ganz von alleine. Der Druck darf nicht zu stark sein, denn das erzeugt Reibung, die wiederum zu Beschädigungen führen kann.

Generell ist der Tapezierspachtel zum Glattstreichen von dickeren oder schweren Tapeten mit widerstandsfähiger Oberfläche am besten geeignet. Folien Tapeten wie Metall Tapeten oder Effekt Tapeten, Leder (Imitat) Tapeten, Tapeten mit konturenstarken Musterprägungen, Glasperlen Tapeten, Flock Tapeten und diverse Naturtapeten kommen für die Behandlung mit dem Tapezierspachtel nicht in Frage. Hier sind Tapezierbürste oder Tapezierrolle die schonende Wahl.

3) Beschneiden der Tapete

Sie können den Tapezierspachtel als Schneidkante nutzen - so schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zunächst drücken Sie die Tapete mit der Andrückkante noch einmal im zu schneidenden Bereich an, z.B. Fußleisten, Deckenabschluss, Kanten, Nischen, Fensterlaibungen, Türrahmen. Legen Sie die festere Seite bündig an und schneiden Sie Überstände mit dem Cuttermesser sauber ab.